Der offizielle Kurs der Hrywnja zum Euro hat zum ersten Mal in der Geschichte die Marke von 52 Hrn/€ durchbrochen. Dies ist keine technische Anomalie — es ist ein neuer Rekord der Abwertung der nationalen Währung gegenüber der europäischen.
Um das Ausmaß zu verstehen: Noch zu Beginn der vollständigen Invasion im Februar 2022 kostete der Euro etwa 32–33 Hryvnja. In drei Jahren hat die Hrywnja gegenüber dem Euro über 55% ihres Wertes verloren.
Warum gerade jetzt
Die Hrywnja ist im Rahmen des verwalteten Kurses der Nationalbank an den Dollar gekoppelt, daher spiegelt ihre Dynamik gegenüber dem Euro in großem Maße die Bewegung des EUR/USD-Paares auf den globalen Märkten wider. Der Euro hat in den letzten Wochen gegenüber dem Dollar an Stärke gewonnen vor dem Hintergrund der Erwartungen einer Verlangsamung der US-Wirtschaft und Änderungen in der Rhetorik der Federal Reserve — und das wirkt sich automatisch nachteilig auf das Hryvnja-Äquivalent aus.
Es gibt aber auch einen internen Faktor: Die Nationalbank erweitert schrittweise den Korridor der zulässigen Kursschwankungen, um die Währungsreserven und die Nachfrage nach Fremdwährungen im Land auszugleichen. Importe — vor allem von Energieträgern und Militärausrüstung — werden den Kurs unabhängig von der globalen Konjunktur unter Druck setzen.
Was bedeutet das für die Menschen
Für diejenigen, die ein Gehalt in Hryvnja verdienen und importierte Waren kaufen oder für Ausbildung oder medizinische Behandlung in Europa bezahlen, ist dies eine direkte Verteuerung. Für Ukrainer im Ausland, die Geld aus Euro nach Hause überweisen, ist es hingegen eine relative Verbesserung.
Unternehmen, die mit europäischen Partnern zusammenarbeiten und in Euro abrechnen, erhalten mehr Hryvnja für denselben Betrag — aber gleichzeitig zahlen sie mehr für Komponenten und Rohstoffe aus der EU.
Was ist zu erwarten
Die Nationalbank hat bisher nicht signalisiert, dass sie beabsichtigt, die Dollarbindung abrupt zu korrigieren. Die Reserven bleiben auf einem akzeptablen Niveau — nach den letzten Angaben des Regulators über 43 Milliarden Dollar. Dies bietet einen gewissen Puffer.
Wenn EUR/USD jedoch weiter steigt und die inländische Nachfrage nach Währung nicht sinkt, wird die Marke von 53–54 Hrn pro Euro bis zum Ende des Jahres zu einem ganz realistischen Szenario.
Die Schlüsselfrage ist nicht die runde Rekordzahl, sondern die strukturelle: Kann die ukrainische Wirtschaft Devisenzuflüsse — durch Exporte, Hilfe von Partnern, Wiederaufbau — schnell genug erhöhen, um den Druck auf die Hrywnja auszugleichen? Die Antwort auf diese Frage hängt nicht nur von der Nationalbank ab.