Millionen Menschen kennen das Lied „Nur bei uns in der Ukraine" in der Interpretation von Irina Fedischyn. Wenige fragten sich, wer es geschrieben hat. Der Autor – Mykola Jantschenko, Volkskünstler der Ukraine aus dem Dorf Kanawa in der Region Winnyzja – starb am 1. Juli in Stryschawez in der Nähe von Winnyzja. Laut vorläufigen Informationen, die mehrere lokale Quellen bestätigten, erlitt er eine tödliche Stromverletzung in einem Schwimmbecken auf seinem eigenen Grundstück.
Vom Hochzeitsmusiker zum Hit-Autor
Jantschenko wurde 1959 im Dorf Kanawa im Bezirk Tyvriv geboren – in einer Region, in der das Volkslied kein Folklore-Archiv war, sondern ein lebendiger Teil des Alltags. Er absolvierte das Kulturbildungsfachschule in Tultschiw als Regisseur für Dramengruppen und leitete über 20 Jahre das Kulturhaus im Dorf Moiwka im Bezirk Tscherniwzi.
Seine aktive Karriere als Komponist begann 1993 mit der Veröffentlichung der Sammlung „Hochzeit in Moiwka". Zunächst trat er bei Hochzeiten und Familienfeiern auf – und genau das gab ihm ein Verständnis dafür, welches Lied beim Publikum „ankommt". Später konzentrierte er sich auf Konzertauftritte und schrieb Dutzende von Liedern für andere Interpreten.
„Mykola Jantschenko ist nicht mehr – ein Mensch, der die Ukraine mit wunderschönen Liedern beschenkt hat, die ewig leben werden. Vor zwei Tagen haben wir noch auf der gleichen Bühne gesungen, gesprochen und Zeit zusammen verbracht".
Irina Fedischyn, Sängerin
Fedischyn nahm unter Jantschenkos Autorschaft „Nur bei uns in der Ukraine", „Übergangslied", „Familie", „Trauriger Heiliger Abend" auf – Lieder, die Millionen Aufrufe erreichten und zum Repertoire ukrainischer Festtafeln wurden, lange bevor die Hauptstadt-Kritik von ihm erfuhr.
Podillien als bewusste Haltung
Jantschenko war Abgeordneter des Regionalrates von Winnyzja mehrerer Amtsperioden und hatte laut der Journalistin Tetjana Redko „immer eine klare gesellschaftliche Position und reiste mit Konzerten dorthin, wo man auf ihn wartete". Er blieb in der Region, während die meisten Künstler seines Ranges zu Kyjiw tendierten – und genau dies machte ihn zum Kulturlicht Podilliens, nicht einfach zum „Regionalsänger".
Über den Tod berichteten zuerst die Ehefrau Natalija, dann die Bühnenkollegen Natalia Falion aus dem „Lisapetnyj bataljon" und Irina Fedischyn. Die Trauerzeremonie findet am 3. Juli in Winnyzja in der „Requiem Hall" in der Straße Akademika Yangelia statt.
Die offizielle Todesursache wurde nicht bekannt gegeben; die Umstände der Tragödie werden geklärt. Es bleibt eine praktische Frage: Gibt es in der Ukraine einen Mechanismus zur Erfassung und Aufbewahrung von Autormanuskripten und Notenarchiven regionaler Komponisten – oder wird Jantschenkos Erbe nur so lange erhalten bleiben, wie es die noch lebenden Interpreten in Erinnerung behalten.