Am Dienstag, dem 5. Mai, wurden in Iwano-Frankiwsk +30,2°C gemessen. Das war nicht nur der wärmste Tag der Woche — der vorherige Rekord für dieses Datum stammte aus dem Jahr 1969 und betrug +28,2°C. Mit anderen Worten: Der Rekord wurde um gleich zwei Grad übertroffen.
Ein ähnliches Bild zeigte sich in der benachbarten Stadt Kolomyja. Dort zeigte das Thermometer +29,1°C, während der vorherige Höchstwert für den 5. Mai noch 1948 registriert wurde — und er betrug nur +23,6°C. Die Differenz liegt bei fast sechs Grad.
Insgesamt fielen an jenem Tag in sechs Städten Rekorde: außer Iwano-Frankiwsk in Winnyzja, Tscherniwzi, Riwne, Ternopil und Lwiw. Alle befinden sich im Westen des Landes. Dies teilte das Ukrainische Hydrometeorologische Zentrum mit.
Kein Zufall, sondern ein Trend
Diese Rekorde fügen sich in einen größeren Kontext ein. Nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Climate Copernicus war der Mai 2025 weltweit der zweitwärmste Mai in der gesamten Geschichte der instrumentellen Beobachtungen.
«Die durchschnittliche Lufttemperatur an der Oberfläche im Mai 2025 betrug 15,79°C — 0,53°C über dem Durchschnittswert der Jahre 1991–2020».
Bericht Climate Copernicus / RBK-Ukraine
Allerdings war Europa gespalten: Der Westen wärmte sich über dem Durchschnitt auf, der Osten unter dem Durchschnitt. Die kältesten Anomalien in Europa wurden genau westlich des Schwarzen Meeres registriert — über der Ukraine und in ihrer Nähe. Das heißt, die ukrainischen Rekorde vom 5. Mai entstanden nicht aufgrund einer gesamteuropäischen Hitze, sondern trotz eines relativ kühlen Mai im Osten.
Was bedeutet das in der Praxis?
- Die Rekorde, die seit 1948–1969 bestanden, wurden unter anderen klimatischen Bedingungen gebildet — die vorindustrielle Basistemperatur war damals um mehr als 1°C niedriger.
- Kolomyja übertraf seinen Rekord gleich um 5,5°C — nicht eine allmähliche Steigerung, sondern ein Sprung.
- Einige Tage zuvor wurden in Iwano-Frankiwsk Temperatur-Mindestwerte registriert. Die Temperaturspanne über eine Woche — vom Minimum zum absoluten Rekord.
Wissenschaftler der Universität Oxford warnen: Regionen mit gemäßigtem Klima — genau wie der Westen der Ukraine — werden bei einer globalen Erwärmung von 2°C den stärksten Anstieg der Anzahl heißer Tage erleben. Zum Vergleich: Die aktuelle Erwärmung liegt bereits nahe der 1,5°C-Marke.
Wenn solche Rekorde jeden Frühling zur Norm werden — dann geht es nicht mehr darum, ob sich das Klima im Westen der Ukraine verändern wird, sondern darum, ob die städtische Infrastruktur und die Gesundheitssysteme sich schnell genug an Temperaturen anpassen können, für die sie einfach nicht gebaut wurden.