Auf der Ausstellung SAHA Expo 2026 in Istanbul präsentierte das Unternehmen Fire Point erneut die FP-5 Flamingo als „Plattform für Tiefschläge" mit einer Reichweite von bis zu 3000 km und einem Sprengkopf von bis zu 1150 kg. Doch während die Präsentationen noch liefen, verfügten OSINT-Analysten bereits über sechs Monate Kampfstatistiken — und diese sind komplexer als jede Werbebroschüre.
Vom Modell zum Kampfeinsatz
Der erste dokumentierte Kampfeinsatz der FP-5 fand am 30. August 2025 statt — ein Angriff auf einen FSB-Außenposten auf der Krim. Im Oktober desselben Jahres bestätigte Präsident Zelenskyj öffentlich den Einsatz der Rakete zusammen mit dem „Neptun" gegen Ziele auf russischem Territorium.
Im Januar 2026 griffen die ZSU den Testplatz Kapustin Jar in der Region Astrachan an — ein Objekt, von dem Russland die Rakete „Oreschnyk" abfeuert. Nach Angaben von Analysten von CyberBoroshno wurden mehrere Gebäude beschädigt, ein Hangar erheblich. Im Februar traf Flamingo erstmals nachweislich ins Ziel: Einer von sechs Angriffen auf das Arsenal der GRAu in Kotluban zerstörte einen Bunker mit einer Fläche von 1200 m² und verursachte eine Munitionsdetonation.
„Von 23 verifizierten Abschüssen erreichten sechs die Ziele, aber nur zwei trafen wirklich das Objekt"
OSINT-Analyst Garbus (Dnipro OSINT), zit. nach Ukrainska Pravda
Technische Gründe für Skepsis
Derzeit ist die Rakete mit einem Flugzeugtriebwerk AI-25 des Unternehmens Ivchenko-Progress ausgestattet — entwickelt für Schulungsflugzeuge und nicht für Flüge in niedriger Höhe. Wie Chefkonstrukteur und Mitbegründer von Fire Point Denis Shtilerman dem Nachrichtenportal Militarnyi erklärte, liegt die maximale Effizienz dieses Triebwerks in einer Höhe von 6000 bis 10 000 Metern, während Marineflugkörper typischerweise in 50–100 m Höhe fliegen. Deshalb arbeitet das Unternehmen an der Entwicklung eines eigenen Turbojettriebwerks mit niedrigem Bypass-Verhältnis, das für niedriger Höhenflüge optimiert ist.
Russland meldete den ersten abgeschossenen Flamingo am 10. Oktober 2025 — durch den Komplex „Buk". Auf veröffentlichten Fotos flog die Rakete in einer Höhe von etwa 100 m mit einer Geschwindigkeit von etwa 600 km/h, deutlich unter den angegebenen 950 km/h. Ein separates Problem ist der Mangel an detaillierten topografischen Karten Russlands für Flüge in extremer Niedriger Höhe.
Produktion und Umfang
Ab März 2026 gab Fire Point eine Produktion von drei Raketen pro Tag an. Der Übergang zu einem eigenen Triebwerk wird vom Unternehmen vor allem als Möglichkeit zur Steigerung der Produktionskapazität betrachtet und nicht nur als technische Verbesserung — die AI-25 ist ein Engpass in der Lieferkette.
Die FP-5 wird von einer mobilen Plattform auf der Basis eines Lastkraftwagens abgefeuert, was den schnellen Wechsel von Positionen ermöglicht. Der Rumpf besteht überwiegend aus radiotransparenten Verbundwerkstoffen. Nach Angaben des Entwicklers ist das System für den Betrieb unter Bedingungen des elektronischen Kampfes optimiert — allerdings ist es derzeit unmöglich, diese Aussage unabhängig zu überprüfen.
Was wirklich den Unterschied macht
Flamingo hat bereits geleistet, was die meisten ukrainischen Schlagsysteme nicht können: Kapustin Jar zu erreichen — mehr als 1000 km vom Frontverlauf entfernt — und bekätigte Schäden an der Infrastruktur des „Oreschnyk" zu verursachen. Dies ist kein Kamikaze-Drohne und keine ballistische Rakete: Der relativ niedrige Preis und die Mobilität des Starts bilden eine separate Nische.
Aber 33% verifizierte Treffer aus 23 Abschüssen — das ist nicht nur eine Statistik zur Effektivität. Das ist ein Argument in der Diskussion darüber, ob es sinnvoller ist, die Anzahl der Abschüsse zu erhöhen oder zunächst Navigationsgenauigkeit und ein Triebwerk für Niedriger Höhenflüge zu verbessern.
Wenn Fire Point sein eigenes Triebwerk in Serie nimmt und das Problem der topografischen Abdeckung für ein Niedrighöhenprofil löst — wird sich die Trefferstatistik dann so sehr verändern, dass das System zu einem strategischen anstelle eines taktischen Instrument wird?