Hacker Sector16, der 60.000 Dollar für das Versprechen erhalten hat, die Ukraine drei Tage lang stromlos zu machen, gesteht Schuld in den USA

Artem Revenski mit dem Spitznamen Digit – ein Mitglied der vom Kreml unterstützten Gruppe Sector16 – hat sich auf einen Deal mit den Ermittlern geeinigt. Die Materialien des Falls dokumentieren erstmals, wie die Finanzierung von Hackerangriffen auf kritische Infrastruktur mit gewöhnlichem kriminellem Betrug verflochten war.

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Хакер (Фото: ЕРА)

Artem Revenskij, in der Cyberkriminal-Szene unter dem Namen Digit bekannt, unterzeichnete am 30. April 2025 eine Schuldeingeständniserklärung vor dem Bundesgericht des Central District of California. Laut Bloomberg-Bericht basierend auf Gerichtsdokumenten war er Mitglied der Hackergruppe Sector16, die amerikanische Staatsanwälte direkt mit staatlicher russischer Finanzierung verbinden.

Von Texas bis Poltawa

Ziele von Sector16 waren Objekte der Öl- und Gasinfrastruktur in Ländern, die der Kreml als Feinde betrachtete: USA, Ukraine, Deutschland, Frankreich, Lettland. Im Januar 2025 übernahm die Gruppe die Kontrolle über Ölpumpen und Speichertanks an einer Anlage in Texas – und kündigte dies im Darknet an. Später im selben Jahr hackten die Cyberkriminellen Objekte in North Dakota, New York und Pennsylvania.

Im September 2025 erhielt Sector16 nach Angaben der Ermittlungen Zugriff auf eine Gasanlage in der Region Poltawa. Der Aussage von Staatsanwälten zufolge diskutierten Gruppenmitglieder, wie sie diesen Zugriff nutzen könnten, um der Infrastruktur physischen Schaden zuzufügen.

„Das Projekt wurde bereits eingeleitet"

Der detaillierteste Vorfall in den Gerichtsakten betrifft Verhandlungen über die vollständige Abschaltung der Stromversorgung in der gesamten Ukraine. Bloomberg zufolge schrieb Revenskij einem seiner Partner, dass er damit rechne, 5 Millionen Rubel (etwa 60.000 Dollar) zu erhalten, um die Elektrizität im ganzen Land für drei Tage abzuschalten.

„Das Projekt wurde bereits eingeleitet"

— aus Textnachrichten von Revenskij, zitiert in den Unterlagen des US-Bundesgerichts

Darüber hinaus plante die Gruppe Sabotageakte an Tankstellen in Kiew. Dem vorliegenden Material zufolge wurde keiner der groß angelegten Pläne vor der Verhaftung umgesetzt.

Alabuga als Zugangspunkt

Revenskij wurde am 2. November 2025 verhaftet. Wie die russische Oppositionszeitung „Agentur" recherchierte, begann er spätestens 2021, in der Sonderwirtschaftszone „Alabuga" in Tatarstan zu arbeiten – derselben Zone, in der Drohnen vom Typ „Shahed" hergestellt werden. Bis 2023 bekleidete er die Position eines Leiters des Moduls für Analytik des Dienstes für Spezialvorhaben.

Sector16 finanzierte einen Teil ihrer Aktivitäten durch Betrugsschemata mit gestohlenen Kreditkartendaten. Die Kombination aus Staatsaufträgen und krimineller Eigenfinanzierung ist ein charakteristisches Merkmal sogenannter „lizenzierten" Hackergruppen, die Moskau nutzt, um plausible Abstreitbarkeit zu sichern.

Verständigung und Urteil

Im Gegenzug für das Schuldeingeständnis werden die Staatsanwälte eine Strafmilderung empfehlen. Revenskij drohen bis zu 27 Jahren Freiheitsstrafe. Ihm wurde Verschwörung zur Beschädigung geschützter Computersysteme, Betrug unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln und Diebstahl persönlicher Daten vorgeworfen.

  • Übernahme von Ölpumpen und Speichertanks in Texas – Januar 2025
  • Hack einer Gasanlage in der Region Poltawa – September 2025
  • Anschläge auf Objekte in North Dakota, New York und Pennsylvania
  • Ziele in der Ukraine, Deutschland, Frankreich und Lettland

Der Fall Revenskij ist der erste dokumentierte Fall, in dem ein Mitglied von Sector16 unter US-amerikanische Gerichtsbarkeit fiel und sich auf eine Verständigung einließ. Das bedeutet, dass die Ermittler Aussagen aus dem Inneren der Gruppe erhalten haben. Es geht nicht darum, ob er das Netzwerk aufdecken wird – sondern darum, wie viel von dem, was er aufdeckt, die USA offentlegen können oder wollen, falls sich Verhandlungen mit Moskau beschleunigen.

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