32 Frauen gesucht wegen eines Fehlers des Charkiwer TZK: Was lief schief bei Reserve+

Das Militärkomissariat von Charkiw hat dutzende Frauen ohne medizinische Ausbildung automatisch in die Militärliste eingetragen und zur Fahndung ausgeschrieben. Das Verteidigungsministerium erklärt, dies sei korrigiert worden. Doch wie das System zu diesem Fehler führte und die juristische Lücke – es gibt keinen offiziellen Punkt, um sich bei einem Fehler des Militärkomissariats abzumelden – bleiben unbeantwortet.

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Застосунок "Резерв+" (Фото: Depositphotos)

Dass sie in der Fahndung des Territorial-Rekrutierungszentrums (TRZ) war, erfuhr die Psychologin Agata Sacharjan von einem Bezirkspolizisten. Die Mathematikerin Galina Czekhmistrо — durch einen Telefonanruf eines Majors. Beide — weder Ärztinnen noch Apothekerinnen noch nach irgendeinem rechtmäßigen Kriterium wehrpflichtig. Und beide — in der Datenbank des Charkiwer TRZ mit der Markierung „Fahnenflüchtige".

Was geschah

Im März 2026 brach ein Skandal in den Medien aus, nachdem Irina Characidi-Loginowa — Leiterin der Personalverwaltung eines privaten Unternehmens — sich selbst in der Fahndung durch die App Reserv+ gefunden hatte. Wie „Ukrainska Pravda" berichtet, fand sie mehr als 20 weitere Frauen mit dem gleichen Status im Schewtschenko-TRZ in Charkiw.

Verteidigungsminister Michail Fedorow bestätigte während der Fragezeit in der Werchowna Rada: Der Grund war ein technischer Fehler des konkretely Bezirks-TRZ. Die Frauen wurden automatisch als medizinische Fachkräfte in die Datenbank aufgenommen und erhielten die militärische Spezialisierung 912 — eine Kategorie für diejenigen, die unter Feldbedingungen arbeiten.

„Das war ein technisches Problem seitens des Charkiwer TRZ. Keine der Frauen wurde mit einer Geldstrafe belegt, alle Einschränkungen und Fahndungen wurden aufgehoben."

Michail Fedorow, Verteidigungsminister, während einer Sitzung der Werchowna Rada

Wo das System zweimal versagte

Erster Fehler — technisch: automatisches Eintragen ins Register ohne Verifikation. Zweiter Fehler — rechtlich: Als die Frauen zum TRZ kamen, um Klarheit zu schaffen, wurden sie aus der Fahndung entfernt, aber nicht aus dem Register gelöscht. Nach Angaben von TRZ-Vertretern gibt es im Gesetz keinen separaten Punkt „aufgrund eines Fehlers des Militärkommissariats aus dem Register entfernen".

Die Folgen für die Betroffenen waren völlig real:

  • Unmöglichkeit, ins Ausland zu reisen;
  • Risiko der Sperrung von Bankkonten;
  • Aufrufe der Polizei zur „Klärung der Daten".

Insgesamt wurden 32 Fälle dokumentiert. Die Pressestelle des Verteidigungsministeriums versicherte, dass der Status „in Fahndung" vor zwei Wochen aufgehoben wurde, und die vollständige Löschung aus dem Register Reserv+ soll bis Ende April abgeschlossen sein. Geldstrafen — keine.

Größerer Kontext

Der Zwischenfall ereignete sich vor dem Hintergrund allgemeiner Unklarheiten bezüglich der weiblichen Militärregistrierung. Wie die Justiz- und Rechtszeitung erklärt, unterliegen nur Frauen mit medizinischer oder pharmazeutischer Ausbildung der obligatorischen Registrierung. Doch wie der Fall in Charkiw zeigte, bleibt der Mechanismus selbst der Überprüfung — wer genau in die Datenbank aufgenommen wird und auf welcher Grundlage — bis heute undurchsichtig: Die Datenbank wird automatisch gefüllt, und gegen einen Fehler administrativ Einspruch zu erheben ist schwieriger, als ihn zu machen.

Einige der Betroffenen haben bereits Klage eingereicht. Nach Angaben der „Justiz- und Rechtszeitung" entsprach das Charkiwer Bezirksadministrationsgericht im August 2025 der Klage einer Frau und erkannte die Maßnahmen des TRZ zu ihrer Registrierung als rechtswidrig an.

Wenn das Verteidigungsministerium bis Ende April keinen Mechanismus der automatischen Verifikation vor dem Eintrag ins Register einführt — und nicht erst nach dem Skandal — wird der nächste ähnliche Zwischenfall nur eine Frage der Zeit und des Namens eines anderen TRZ sein.

Weltnachrichten