71% der Rumänen dafür — aber Moldau dagegen: Die Asymmetrie, die die Wiedervereinigung blockiert

Eine Umfrage des Instituts INSCOP Research zeigt Rekordunterstützung für die Union auf rumänischer Seite. Hingegen zeigt sich in Moldau ein entgegengesetztes Bild – und genau dies macht die Zahlen politisch irrelevant ohne ein moldawisches Referendum.

66
Teilen:
Президенти Румунії і Молдови Нікушор Дан і Мая Санду (Фото: Nicușor Dan/X)

Wenn heute in Rumänien ein Referendum über eine Wiedervereinigung mit Moldau durchgeführt würde, würden 71,9% der Rumänen mit „Ja" stimmen. Dies ist der höchste Unterstützungswert, der im Rahmen des Barometers Informat.ro – INSCOP Research gemessen wurde. Dagegen sprachen sich 21,4% aus, der Rest war unentschlossen oder würde nicht abstimmen.

Zwei Drittel der Befragten bezeichneten die Vereinigung als „historische Verpflichtung". Aber diese Zahl an sich ist ein Spiegel der rumänischen Identität und keine Roadmap zur Union.

Moldau sieht es anders

Eine parallele Umfrage in Moldau selbst zeichnet ein gegensätzliches Bild. Nach Daten von September 2025, auf die sich Präsidentin Maia Sandu bezog, lehnen fast 46% der Moldauer eine Vereinigung ab, während nur knapp über 33% sie unterstützen. Weitere 16–17% sind unentschlossen.

„Unserem Land wird es immer schwerer, eigenständig zu überleben"

— Maia Sandu, die persönlich erklärte, dass sie für eine Wiedervereinigung stimmen würde

Sandu ist eine Ausnahme unter der moldauischen Mehrheit, nicht deren Stimme. Und das ist entscheidend: Eine Union ist rechtlich nur mit Unterstützung beider Völker möglich.

Warum ist die Kluft so groß

Die Asymmetrie lässt sich durch mehrere Faktoren erklären:

  • EU-Mitgliedschaft als Alternative. Über 50% der Moldauer unterstützen die Eurointegration – ohne Union mit Rumänien. Für viele sind dies sich gegenseitig ausschließende Wege, nicht Synonyme.
  • Assimilierungsfurcht. Ein Teil der Moldauer, besonders ältere Generationen, sieht die staatliche Eigenständigkeit als Errungenschaft und nicht als Problem.
  • Prorussisches Elektorat. Etwa ein Drittel der Gesellschaft orientiert sich an Moskau – und jedes Gespräch über eine Union mit Rumänien ist für dieses Segment eine rote Linie.

Was sich in Rumänien geändert hat

Zum Vergleich: In einer Umfrage des Zentrums für Stadt- und Regionalsoziologie (CURS) von Januar lag die Unterstützung für die Union unter Rumänen bei 56% – 16 Prozentpunkte weniger als im INSCOP-Barometer. Der Sprung könnte durch unterschiedliche Methodik oder Frageformulierung erklärt werden, aber der Trend ist eindeutig: Die rumänische Gesellschaft wird einheitlicher.

Rumäniens Präsident Nicușor Dan, 2025 gewählt, unterstützt öffentlich die Annäherung der beiden Länder – insbesondere bestätigte er Cyber-Unterstützung durch rumänische Geheimdienste für Moldau während der Parlamentswahlen. Aber vom Cyberschutz zur verfassungsmäßigen Union ist eine Distanz, die ohne den Willen des moldauischen Elektorats nicht zu überbrücken ist.

Die Frage ist nicht, ob Rumänen eine Union wollen – wenn die Unterstützung in Moldau unter 40% bleibt, wird sich dann ein Politiker trauen, diese Frage einem offiziellen Referendum auszusetzen und riskieren, ein „Nein" von beiden Seiten der Grenze festzustellen?

Weltnachrichten