Siebenundneunzig Prozent. Diese Zahl nennt Yaroslav Hryshyn, Mitbegründer des ukrainischen Herstellers von Drohnenabwehrsystemen „General Chereshnya", als Abschussquote russischer FPV-Drohnen vom Typ „Molniya". Nach seinen Angaben ermöglichen moderne elektronische Kampfmittel, die in der Ukraine entwickelt wurden, die Neutralisierung der überwiegenden Mehrheit dieser Angriffsdrohnen, bevor sie das Ziel treffen.
Die „Molniya" ist eines der Masseninstrumente der russischen FPV-Angriffstaktik. Billig, schnell, in großen Serien hergestellt. Die Logik ihres Einsatzes ist einfach: Wenn auch nur ein Teil sein Ziel erreicht – das ist bereits ein Erfolg. Deshalb ist eine Abschussquote von über 95 Prozent von grundsätzlicher Bedeutung: Sie zerstört die gesamte Mathematik des massiven Einsatzes.
Hryshyn erklärt den Vorteil nicht nur durch die Störtechnologie selbst, sondern auch durch die Geschwindigkeit der Anpassung. Die Russen ändern regelmäßig die Frequenzen und Drohnenkontrollprotokolle – das ist eine Standardtaktik des elektronischen Kampfes. Die Antwort der „General Chereshnya" liegt laut seiner Aussage in Systemen, die in der Lage sind, neue Signalsignaturen viel schneller zu analysieren und zu blockieren, als der Gegner sie massiv einführen kann.
Hier liegt die eigentliche Reibung dieser Geschichte. 97 Prozent – das ist ein Indikator unter spezifischen Bedingungen, gegen eine spezifische Drohnenmodifikation, in einem spezifischen taktischen Szenario. Die Effektivität der Drohnenabwehr hängt katastrophal von der Geländeform, der Bebauungsdichte, der Entfernung und davon ab, ob das System im erforderlichen Moment überhaupt eingeschaltet ist. Kein EKM-Hersteller in der Welt veröffentlicht diese Zahlen mit unabhängiger verifizierter Prüfung – und Hryshyn ist da keine Ausnahme.
Gleichzeitig ist die Tatsache selbst, dass ukrainische private Unternehmen elektronische Kampfmittel unter realen Kampfbedingungen entwickeln und verbessern, ein struktureller Vorteil, den es 2022 nicht gab. Der Zyklus von der Erkennung einer neuen Bedrohung bis zur Softwareaktualisierung des Systems verkürzt sich von Monaten auf Wochen oder Tage. Staatliche Rüstungsunternehmen arbeiten normalerweise nicht so.
Die offene Frage bleibt: Wenn ukrainische EKM-Systeme wirklich fast alle „Molniya" abschießen – warum sind FPV-Angriffe immer noch eine der Hauptursachen für Technik- und Personalverluste an der Front, und wann wird es eine unabhängige Verifizierung dieser Indikatoren aus dem realen Kampfeinsatz geben?