Die Ukraine und die USA haben eine bilaterale Absichtserklärung im Bereich der Verteidigungspartnerschaft unterzeichnet, die den Export ukrainischer Drohnen für Militärtests direkt auf den Testplätzen des Pentagon vorsieht. Dies berichtet der Korrespondent von Radio Free Europe in Washington, Alex Raufoglu, unter Berufung auf zwei informierte Gesprächspartner.
Warum dies kein einfaches „Memorandum" ist
Formal handelt es sich um eine Absichtserklärung. Aber der Kontext verleiht ihr ein anderes Gewicht. Washington hat die seit 1997 geltende Importsperre für ukrainische Rüstungsgüter aufgehoben – genau dies eröffnet rechtlich den Weg für die heutige Vereinbarung. Parallel dazu hat Kiew sein eigenes Rahmenprogramm „Drone Deals" ins Leben gerufen und eine Beschaffungskoalition mit europäischen Partnern gebildet. Nach Aussagen von Präsident Selenskyj wurden bereits vier bilaterale Abkommen über Drohnenexporte unterzeichnet, etwa 20 weitere befinden sich in verschiedenen Phasen von Verhandlungen.
Mit anderen Worten: Das Abkommen mit den USA ist keine isolierte Geste, sondern Teil einer systematischen Neuausrichtung: Die Ukraine bewegt sich vom Hilfsempfänger zum Lieferanten von Verteidigungstechnologien.
Produktionsasymmetrie, die die USA nicht ignorieren können
Die Zahlen erklären das amerikanische Interesse besser als jede diplomatische Rhetorik. Nach Angaben der Kyiv Post unter Berufung auf Branchendaten plant ein ukrainischer Hersteller, im Jahr 2026 über 3 Millionen FPV-Drohnen herzustellen – während der gesamte amerikanische Markt im Jahr 2025 etwa 300.000 Einheiten produzierte.
Neben dem Umfang gibt es auch einen technologischen Vorteil in einer spezifischen Nische. Ukrainische Unternehmen, insbesondere Sine Engineering, haben Navigationssysteme ohne GPS entwickelt, die es Drohnen ermöglichen, unter Bedingungen von dichter elektronischer Störung zu arbeiten. Genau diese Erfahrung – gewonnen unter echten Kampfbedingungen und nicht auf einem Testgelände – möchte das Pentagon studieren.
„Die Tests haben bereits begonnen"
— Präsident Selenskyj, zitiert nach Defense News nach dem NATO-Gipfel in Ankara, Juli 2026
Was ohne Mechanismus bleibt
Das Abkommen ist eine Absichtserklärung, kein Vertrag. In öffentlich verfügbaren Quellen gibt es keine Details darüber, welche genauen Arten von Drohnen unter den Export fallen, wer die Technologieübertragung kontrolliert und ob eine Entschädigung für die ukrainischen Hersteller für die bereitgestellten Muster vorgesehen ist. Das Unternehmen General Cherry hat bereits eine separate Vereinbarung über die Drohnenproduktion auf amerikanischem Territorium unterzeichnet – aber dies ist eine private Initiative, nicht Teil der staatlichen Erklärung.
Zuvor war die umfassendere Verteidigungszusammenarbeit nach Angaben von NBC News auf Widerstand innerhalb des Pentagon und des Weißen Hauses gestoßen – besonders nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen den Iran. Trump lehnte damals öffentlich die ukrainische Drohnen-Expertise ab und erklärte, dass die USA „mehr über Drohnen wissen als jeder andere". Die unterzeichnete Erklärung ist faktisch ein Eingeständnis des Gegenteils.
Was kommt als Nächstes
Wenn das Pentagon nach den Tests mit Beschaffungen oder lizenzierter Produktion von ukrainischen Entwicklungen auf amerikanischem Territorium beginnt, erhält die Verteidigungsindustrie der Ukraine nicht nur einen Absatzmarkt, sondern auch einen strategischen Partner mit unbegrenztem Budget. Wenn das Abkommen jedoch auf der Ebene der „Tests" bleibt, ohne konkrete Verträge – wird es ein weiteres Memorandum ohne Verpflichtungen.
Die Schlüsselfrage: Werden bis Ende 2026 die ersten kommerziellen Bestellungen von amerikanischer Seite vergeben – oder werden die Testergebnisse in geheimen Pentagon-Berichten verbleiben, ohne veröffentlicht zu werden?