Die NATO veröffentlichte Aufnahmen einer nächtlichen Operation, bei der zwei spanische F-18 eine Drohne abschossen, die die Grenze Rumäniens von der Moldau aus überschritten hatte. Das Gerät war ohne Sprengstoff unterwegs — und genau dieser Umstand verdient besondere Aufmerksamkeit, denn der Weg zur Abfangung einer „leeren" Drohne erwies sich als nicht weniger komplex als der Kampf gegen ein bewaffnetes Gerät.
Eine Route, die nicht existieren sollte
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Moldau startete eine Drohne vom Typ Shahed 136 (Geran 2) aus dem Dorf Kotlowina im Bezirk Reni der Region Odessa, überquerte die Moldau über Gagausien und trat erst dann 24 km von Galați in den rumänischen Luftraum ein. Das sind drei Staaten und zwei Grenzen in wenigen Minuten Flugzeit — eine Route, die von keinem Luftverteidigungssystem eines einzelnen Landes vollständig abgedeckt wird.
Deshalb war die Reaktion nicht national, sondern kollektiv: Jagdflugzeuge hoben von der Luftwaffenbasis „Mihail Kogălniceanu" ab, wo Spanien eine vollständige Gruppierung stationiert — sieben F-18, drei NH-90-Hubschrauber, ein A400M-Tankflugzeug und etwa 200 Militärangehörige. Zur Vernichtung eines einzigen Geräts ohne Sprengkopf wurde eine Infrastruktur eingesetzt, die für einen massiven Angriff ausgelegt ist.
Warum „ohne Sprengstoff" nicht „harmlos" bedeutet
Die Drohnenwrackteile wurden 1,5 km vom Strand Modern in Constanța gefunden — ein beliebter Erholungsort. Die Abwesenheit von Sprengstoff ist in diesem Fall eher Zufall oder technischer Defekt als Absicht: Die Shahed ist konstruktionsbedingt dafür ausgelegt, einen Sprengkopf zu tragen, und dessen Vorhandensein oder Fehlen lässt sich während des Abfangversuchs nicht immer zuverlässig vorhersagen.
Oberst Martin O'Donnell der USA bestätigte gegenüber Reuters, dass die Herkunft des Geräts höchstwahrscheinlich russisch ist, doch die Umstände des Vorfalls werden noch untersucht. Für die Bewohner der Küste bedeutet dies eines: Die Entscheidung zum Start von Jagdflugzeugen wird innerhalb von Minuten getroffen, ohne genau zu wissen, was in ihre Richtung fliegt.
Der Preis einer Verletzung
Der Zwischenfall im Juli mit drei abgeschossenen Drohnen und der Anschlag im Mai auf ein Wohnhaus in Galați zeigen: Dies sind nicht mehr Einzelfälle, sondern ein sich wiederholendes Muster. Jede Verletzung bedeutet den Start von Kampfflugzeugen, Treibstoff- und Motorenverbrauch, Risiken für die Besatzungen — und alles wegen eines Geräts, das möglicherweise nur vom Kurs abgekommen war.
Die Frage ist nicht, ob es die nächste Verletzung geben wird — statistisch ist sie bereits zu erwarten. Die Frage ist, wie viel es kostet, eine ständige Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, wenn die Zahl solcher Vorfälle weiter ansteigt.