Am 20. Mai führten die Ukraine und Ungarn die erste Konsultationsrunde auf Expertenebene durch – online, aber mit Eröffnungsreden beider Außenminister. Für diejenigen, die die bilateralen Beziehungen der letzten Jahre verfolgt haben, ist die Tatsache selbst schon eine Nachricht.
Was sich in Budapest geändert hat
Die Schlüsseländerung liegt nicht in Kiew. Anita Orban (keine Familienverbindungen zum ehemaligen Premierminister) übernahm das ungarische Außenministerium nach der Wahlniederlage von Viktor Orban. Nach Angaben von RBC-Ukraine unter Berufung auf Bloomberg versprach die neue Regierung von Peter Magyars, die Blockierung von EU-Beschlüssen aus politischem Druckgründen zu beenden und Ungarn den Zugang zu Dutzenden Milliarden Euro eingefrorener EU-Finanzierung zurückzugeben.
Diese Blockierung kostete die Ukraine Monate in der Warteschlange zur Eurointegration. Wie die „Europäische Pravda" erklärt, stoppte der Weg zur EU durch die Weigerung Ungarns, eine gemeinsame Verhandlungsposition zu ratifizieren – ein Dokument, das einstimmige Unterstützung aller 27 Mitglieder erfordert. Die Ukraine beendete die Screenings noch vor Ende 2025, aber kein Cluster wurde offiziell eröffnet.
Drei Fragen von Sybiha – und eine verborgene
Nach Angaben von Andrij Sybiha konzentrierte er sich in seinen einleitenden Bemerkungen auf drei Themen: bilaterale Beziehungen, Rechte nationaler Minderheiten und der Beitritt der Ukraine zur EU. Neben ihm bei den Konsultationen – Vizepremier für Eurointegration Taras Kachka, was unterstreicht: Für Kiew geht es bei diesem Gespräch vor allem um die Mitgliedschaft, nicht nur um Transkarpatien.
„Wir sind vereint durch unseren Willen, Probleme zu lösen und Herausforderungen zu überwinden"
Andrij Sybiha, Außenminister der Ukraine, 20. Mai
Die Rechte der ungarischen Minderheit sind nicht nur eine humanitäre Frage. Der neue Premierminister Magyars unterstützte faktisch die Liste mit 11 Anforderungen, die die Orbán-Regierung 2024 an Kiew übermittelt hatte: Ein großer Teil betrifft Sprachrechte und den Unterricht auf Ungarisch. Ohne Fortschritt in diesem Bereich wird das neue Budapest die Blockade der EU-Verhandlungsposition wohl kaum aufheben.
Nächster Schritt – bereits am 21. Mai
Sybiha kündigte ein persönliches Treffen mit Anita Orban beim NATO-Ministertreffen in Schweden an. Das Format ist vielsagend: Das erste bilaterale Treffen findet nicht in Kiew oder Budapest statt, sondern auf neutralem Boden der Allianz – ein Signal für vorsichtige, aber echte Entspannung.
- Blockade der EU-Verhandlungsposition – bisher formal nicht aufgehoben
- 11 Anforderungen Budapests bezüglich Minderheiten – die neue Regierung hat sie nicht zurückgezogen
- Eingefrorene EU-Mittel für Ungarn – der Hauptanreiz für Magyars, sich mit Brüssel und Kiew zu einigen
Wenn Budapest sein Veto auf die Verhandlungsposition bis zum Ende des polnischen EU-Vorsitzes (Juni 2025) aufhebt, kann die Ukraine offiziell die ersten Cluster der Beitrittsgespräche eröffnen. Wenn nicht – wird klar, dass die neue ungarische Regierung nicht weniger hart verhandelt als die alte, nur mit einem anderen Preis für die Frage.