Warum das wichtig ist
Die Entscheidung des IPC, die Teilnahme von sechs russischen und vier belarussischen Sportlern an den Paralympischen Spielen 2026 in Mailand‑Cortina unter ihren Nationalflaggen zuzulassen, betrifft nicht nur den Sport. Es geht um Vertrauen in internationale Institutionen, um die moralische Verantwortung der Veranstalter und um ein Signal an die Opfer der Aggression. Deshalb verdient die Reaktion der offiziellen Kiewer Regierung die Aufmerksamkeit aller, die die Sicherheit und den Ruf unseres Landes verfolgen.
Was passiert ist
Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat beschlossen, sechs Sportlern aus Russland Quoten im paralympischen Skisport, im Langlauf und im Snowboard zu gewähren, und vier Belarussen im Langlauf. Die Entscheidung sieht die Möglichkeit vor, die nationale Symbolik dieser Länder während der Wettkämpfe offiziell zu hissen.
Die Reaktion der Ukraine
Das Außenministerium und das Ministerium für Jugend und Sport veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie eine solche Zulassung als inakzeptabel und als einen Vertrauensverlust in den internationalen Sport bezeichneten. Die ukrainischen Behörden betonen, dass das Hissen der Flaggen und das Erklingen der Hymnen von Staaten, die einen aggressiven Krieg gegen die Ukraine führen, die Verbrechen ihrer Regime faktisch rechtfertige.
Die Flaggen und Hymnen der Aggressoren verkörpern Regime, die einen aggressiven Krieg führen. Mit diesen Flaggen in den Händen werden Städte zerstört. Wer sie trägt, tötet Zivilisten. Russland hat den Sport zu einem Instrument des Krieges gegen die freie Welt gemacht, und nicht nur gegen die Ukraine. Im paralympischen Umfeld werden Teilnehmer des Angriffskriegs verherrlicht. Man verleiht ihnen Auszeichnungen für die Unterstützung der Aggression. Die Ukraine hat bereits Sanktionen gegen russische Sportpropagandisten, das Paralympische Komitee Russlands und dessen Leiter Павла Рожкова verhängt.
— gemeinsame Erklärung des Außenministeriums und des Ministeriums für Jugend und Sport der Ukraine
Separat hat Андрій Сибіга den ukrainischen Botschaftern den Auftrag erteilt, Verhandlungen mit den Regierungen der Gastgeberländer zu führen und sie aufzufordern, nicht an der Eröffnungsfeier teilzunehmen, als Mittel diplomatischen Drucks. Der Minister für Jugend und Sport, Матвій Бідний, erklärte, die Entscheidung des IPC trage faktisch zur „Legitimierung“ des Krieges und der Verbrechen Russlands bei.
Was das bedeutet und welche nächsten Schritte
Die Entscheidung des IPC stellt die internationale Gemeinschaft vor die Wahl zwischen dem Prinzip der Inklusion von Sportlern und der Verantwortung der Institutionen gegenüber den Opfern der Aggression. Experten für Sportdiplomatie weisen darauf hin, dass Organisationen häufig versuchen, Sport von Politik zu trennen, doch in Zeiten eines offenen Krieges wird diese Distanz zur Illusion.
Die nächsten Schritte liegen beim IPC und bei den Partnerstaaten: Werden die Beschränkungen bezüglich Symbolik verschärft, werden diplomatische Boykotte von Zeremonien angewandt, oder wird man Kompromisse in Form eines neutralen Status für die Athletinnen und Athleten suchen? Zugleich hat die Ukraine bereits in den diplomatischen Kanälen begonnen zu arbeiten — ein pragmatischer und erwarteter Schritt, der die weiteren Entscheidungen der Veranstalter beeinflussen könnte.
Fazit
Die Entscheidung, den Start unter Nationalflaggen zuzulassen, ist nicht nur ein sportlicher Präzedenzfall, sondern ein Signal dafür, wie internationale Institutionen zwischen der Apolitisierung des Sports und ihrer Verantwortung gegenüber dem Völkerrecht und den Opfern der Aggression abwägen werden. Ob Erklärungen in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden — das ist eine Frage an das IPC und seine Partner. Die Ukraine hat bereits ihre Wahl getroffen: das Gedenken und die Rechte der Betroffenen mit Hilfe von Diplomatie und Sanktionen zu schützen.