Am Morgen des 23. Mai riefen Bewohner der Gemeinde Kombuļi im Osten Lettlands die Polizei an: Etwas war in einen See gefallen und explodiert. Die Behörden entdeckten Trümmerteile einer Drohne, Rettungskräfte mit Boot, eine Polizeidrohne und Einheiten der Nationalen Streitkräfte wurden zum Ort entsandt. Es gab keine Verletzten.
Das Detail, das ein lokales Ereignis zu einem NATO-Problem macht: Kein Sensor des lettischen Luftabwehrsystems erfasste das Eindringen des Objekts in den Luftraum des Landes. Das Gerät materialisierte sich bereits als Trümmerteile auf dem Grund des Sees.
Nicht die erste „unsichtbare" Drohne
Dies ist keine Anomalie im Mai — dies ist ein Muster. Bei dem vorherigen Zwischenfall Anfang Mai, als zwei Drohnen von russischer Seite in der Nähe eines Öltanks im Osten Lettlands abstürzten, gab das Kommando der Nationalen Streitkräfte einen ähnlichen Fehler zu. Wie der Vertreter der Streitkräfte Pudans berichtete, drangen die Drohnen nicht gleichzeitig in den Luftraum ein, und die Sensoren erfassten auch die erste nicht — obwohl Jagdflugzeuge der baltischen Luftraumpatrouille bereits in der Luft waren und Kampfgruppen einsatzbereit waren.
„Auf den Radarschirmen gab es keine Informationen"
— Vertreter der Nationalen Streitkräfte Lettlands Pudans, Zitat nach Europäischer Wahrheit
Mit anderen Worten: Das System kannte das Risiko, aber das Ziel war nicht sichtbar.
Warum die Sensoren schweigen
Kamikaze-Drohnen vom Typ „Geran" und ihre Analoga haben eine kleine Radarquerschnitt, fliegen in niedriger Höhe und können durch elektronische Kriegsführung vom Kurs abweicht werden — eben von russischer Seite. Nach Angaben des lettischen Verteidigungsministeriums könnte die EW die Drohne während des ukrainischen Anschlags auf Ziele an der russischen Ostseeküste von ihrer Route abgelenkt haben.
Die Ostseeregion ist de facto eine Zone des „Drohnen-Transits" geworden: Seit September 2025 haben Dutzende von Drohnen den Luftraum von Polen, Lettland, Estland und Litauen verletzt. NATO-Führungspersonen einigten sich darauf, ein Konzept einer „Drohnenmauer" an der Ostflanke zu entwickeln — aber bisher ist es nur ein Konzept, noch keine Realität.
Was das für die Zivilbevölkerung bedeutet
Die Gemeinde Kombuļi ist ein dünn besiedelter ländlicher Bezirk. Aber das Szenario „Drohne über der Stadt" oder „Drohne über dem AKW Inčukalns" ist mathematisch nicht ausgeschlossen, solange das Erkennungssystem diese Ausfälle aufweist. Das lettische Kommando hat bereits die Notwendigkeit einer Überprüfung der Luftabwehroperationen an der Grenze angekündigt — ohne konkrete Fristen und Budgets.
Falls die nächste „unsichtbare" Drohne nicht in einen See, sondern auf kritische Infrastruktur fällt — wird Lettland dann ein Argument für eine eilige NATO-Finanzierung eines Sensornetzwerks haben, das bisher fehlte?