Drohne, die nicht durch Störsender abzuschießen ist: Wie ukrainische Entwickler Drohnen das Erkennen von GPS-Spoofing beibrachten

Das Unternehmen Perun hat eine optische Navigation auf KI-Basis mit einer Fehlerquote von bis zu 5% vorgestellt — die Drohne erkennt GPS-Spoofing eigenständig und schaltet in den autonomen Modus um. Dies ist bereits keine Zukunftsvision mehr, sondern Waffe an der Front.

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Директор компанії-виробника дронів Perun Олександр (Фото: скриншот з відео)

Elektronische Kriegsführung ist zu einem der Hauptschauplätze des Krieges in der Ukraine geworden – und die Drohnennavigation steht im Zentrum dieser Entwicklung. Der Geschäftsführer des Drohnenherstellers Perun, Aleksandr, berichtete am 7. April in einer Telesendung von einer Technologie, die das Spiel verändern könnte: optische Navigation basierend auf künstlicher Intelligenz, die es einer Drohne ermöglicht, zu fliegen und Ziele anzugreifen, selbst wenn GPS vollständig gestört wird.

Was das System kann

Nach Angaben von Aleksandr bestimmt die neue Entwicklung Koordinaten ohne Satellitensignal mit einer Fehlerquote von bis zu 5 %. Aber das Wichtigste ist nicht nur die Autonomie, sondern die aktive Erkennung von Angriffen: Die Drohne unterscheidet zwischen einem echten GPS-Signal und einem gefälschten und schaltet automatisch in den optischen Modus um. Das bedeutet, dass das System nicht darauf wartet, dass der Pilot eine Abweichung bemerkt – es reagiert von selbst.

«Wir bestimmen unsere Koordinaten ohne GPS»

– Geschäftsführer von Perun Aleksandr, Telesendung, 7. April

Spoofing – die Verfälschung von Koordinaten durch ein falsches Signal – gilt als raffiniertere Bedrohung als einfaches Jamming: Die Drohne stürzt nicht ab, sondern fliegt dorthin, wohin der Gegner sie lenkt. Deshalb ist die Fähigkeit, Fälschungen zu erkennen, anstatt nur ihre Abwesenheit zu überstehen, eine qualitativ andere Sicherheitsstufe.

Nicht der einzige Versuch

Perun ist nicht der einzige Akteur in dieser Nische, aber einer der wenigen, der öffentlich die Serienreife angekündigt hat. Das amerikanisch-ukrainische Startup Vermeer mit Büro in Kyjiw entwickelt ein ähnliches Visual Positioning System: Das System nutzt bis zu vier Infrarotkameras und eine bordgestützte KI, die Video mit 2D/3D-Kartenmaterial vergleicht. Nach Angaben von Dronelife hat die ukrainische Armee diese Technologie bereits an der Front eingesetzt – und im Oktober 2025 erhielt Vermeer 10 Millionen Dollar an Investitionen vom Venture-Fonds Draper Associates.

Ein paralleles Projekt ist die neuronale Navigation von KrattWorks, wie IEEE Spectrum berichtet: Die Drohne setzt ihre Mission fort, selbst nachdem sie sowohl die Funkverbindung als auch das Satellitensignal gleichzeitig verloren hat. Das gemeinsame Merkmal all dieser Systeme ist KI, die die Landschaft statt eines Satelliten liest.

Warum das jetzt wichtig ist

Russland setzt Spoofing aktiv gegen Aufklärungsdrohnen ein: Eine abgefangene „Scout"-Drohne führt eine Angriffdsdrohne direkt in einen Hinterhalt. Wie VGI berichtet, kann die Umleitung einer Aufklärungsdrohne eine ganze Angriffsoperation zum Scheitern bringen. Optische Navigation schließt genau diese Schwachstelle – und macht die Drohne für den Gegner unkontrollierbar, selbst wenn dieser die Frequenz übernommen hat.

  • Jamming (Störung) – unterbricht die Verbindung zwischen Operator und Drohne
  • Spoofing – fälscht GPS-Koordinaten und lenkt die Drohne zu einem vom Gegner gewählten Punkt
  • Optische Navigation – bindet sich an Gelände und Orientierungspunkte, die für Funkstörungen unerreichbar sind

Die verbleibende offene Frage: Ist die angegebene Fehlerquote von 5 % für die Aufklärung akzeptabel, aber reicht sie für einen präzisen Treffer in städtischen Gebieten aus, wo der Preis eines Fehlers nicht in Metern, sondern in Häusern gemessen wird?

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