Am 29. Mai um 01:54 Uhr registrierten rumänische Radaranlagen, wie eine Drohne von 600 Metern Höhe über Galați abzusinken begann — einer Stadt 10 Kilometer vom ukrainischen Reni entfernt. In der Luft waren bereits zwei F-16 und ein Hubschrauber IAR-330 SOCAT stationiert. Die Piloten hatten den Befehl zur Bekämpfung. Die Drohne stürzte auf das Dach eines neunstöckigen Hauses und setzte es in Brand. Verletzt wurden eine Frau und ein Teenager, 70 Bewohner wurden evakuiert.
Das Eisen ist da. Das Problem liegt im Recht
Das rumänische Verteidigungsministerium räumte nach dem Zwischenfall ein: das vorhandene Luftabwehrsystem war für die Bekämpfung von Flugzeugen, Raketen und Hubschraubern entwickelt worden, nicht für kleine niedrig fliegende Drohnen. Der eigentliche Grund ist jedoch ein anderer. Nach Aussagen des rumänischen Präsidenten Niculae Ciucă hatten Piloten den Befehl, die Drohne abzuschießen, wenn die Bedingungen dies ohne Opfer und Zerstörungen ermöglichten. Die Drohne befand sich nur vier Minuten lang im Luftraum des Landes und manövrierte über dicht bebauten Stadtvierteln — es gab kein „Fenster" für einen sicheren Schuss.
«Es gibt keine Zweideutigkeit in der Frage der Verantwortung. Die volle Verantwortung liegt bei der Russischen Föderation»
— Rumänischer Präsident Niculae Ciucă
Ein separates Problem erwies sich als rechtlich: Die Aufstellung von Luftabwehrsystemen in der Nähe der Grenze stößt auf Beschränkungen, die mit Privateigentum verbunden sind. Mit anderen Worten: Selbst wenn Rumänien mehr Komplexe gehabt hätte, würde ziviles Recht, das nicht für Bedingungen hybrider Bedrohungen angepasst wurde, ihre Aufstellung an notwendigen Positionen verhindern.
Was die NATO ändern will
Rumäniens Außenministerin Ioana-Ștefania Țoiu teilte Reuters bei einem Besuch in Paris mit, dass Bukarest noch vor dem Zwischenfall der NATO eine detaillierte Liste der Sicherheitsbedürfnisse übermittelt hatte. Der Vorfall in Galați beschleunigte lediglich die Konsultationen. Zu den konkreten Maßnahmen gehören die Erweiterung der Radarabdeckung zur Erkennung von niedrig fliegenden Zielen, der Einsatz zusätzlicher Flugzeuge für die NATO-Luftpatrouillenmission und neue Ressourcen von Verbündeten entlang der 650 Kilometer langen rumänisch-ukrainischen Grenze.
Frankreich, das die etwa 1400 Soldaten starke NATO-Kampfgruppe in Rumänien anführt, wurde zu einem der ersten Ansprechpartner dieser Konsultationen — daher die Wahl von Paris für Țoius Verhandlungen.
- Rumänien hat sich offiziell an die Verbündeten gewandt und um die Bereitstellung zusätzlicher Drohnenabwehrmittel ersucht
- Das Land wird den UN-Sicherheitsrat über «grobe und wiederholte Verstöße gegen internationales Recht» informieren
- Dies ist nicht der erste Zwischenfall: im Mai 2025 wurde in dem Dorf Pardina ein nicht explodiertes Raketengeschoss gefunden
Bemerkenswert ist, dass Rumänien bereits im Mai 2025 offiziell erlaubte, russische Drohnen abzuschießen, die seinen Luftraum verletzten. Es gab also sowohl die Genehmigung als auch die Flugzeuge, und Radaranlagen registrierten das Ziel 40 Minuten vor dem Treffer. Das Problem bestand nicht in einem Mangel an Waffen — sondern darin, dass die Einsatzregeln nicht an eine nur wenige Dutzend Kilogramm schwere Drohne angepasst waren, die nachts über einem Wohngebiet manövriert.
Wenn die NATO diese Regeln wirklich überprüft — und nicht nur Radare und Patrouillen hinzufügt — wird der nächste ähnliche Zwischenfall zeigen, ob das Feuer von Galați ein Wendepunkt war oder nur erneut Anlass für Stellungnahmen.