Was passiert ist
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Caroline Leavitt, teilte ABC News mit, dass Präsident Trump und sein Team Optionen für den Erwerb Grönlands prüfen, und unter diesen Optionen werde auch die Möglichkeit eines Einsatzes der US‑Streitkräfte genannt. Laut The Economist habe man in Washington sogar die Mechanik eines Abkommens diskutiert, das Kopenhagen umgehen würde (die erwähnte Publikation nennt eine Variante in Form eines Vertrags ähnlich dem COFA).
"Präsident Trump hat deutlich gemacht, dass der Erwerb Grönlands eine Priorität der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist..."
— Caroline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses
Warum das wichtig ist
Grönland hat nicht nur territoriale Bedeutung in der Arktis, sondern auch strategische Einrichtungen: Satelliten‑ und Radarsysteme, Luftwaffenstützpunkte (zum Beispiel Thule) und Kontrollpunkte für die Zufahrtswege von Luft‑ und Seestreitkräften. Für die USA ist es ein Kontrollpunkt in der Arktis, wo das Interesse Russlands und Chinas wächst. Deshalb erklärt man in Washington pragmatisch: Verstärkung der Präsenz in der Region ist ein Instrument der Abschreckung.
Die Position Dänemarks und Risiken für die NATO
Das offizielle Kopenhagen nahm solche Aussagen äußerst ernst. Die dänische Premierministerin Margrethe Frederiksen warnte eindeutig vor den Folgen für das Bündnis im Falle militärischer Maßnahmen oder der Missachtung der Souveränität.
"Wenn die USA Grönland angreifen, würde das das Ende der NATO bedeuten."
— Margrethe Frederiksen, Premierministerin Dänemarks
Das ist eine scharfe, aber prinzipielle Reaktion: Jegliche Versuche, die Souveränität eines Verbündeten zu umgehen, untergraben das Vertrauen, auf dem die kollektive Verteidigung beruht. Analysten des The Economist und europäische Experten stellen bereits fest, dass ein Präzedenzfall des Drucks auf die Souveränität eines Mitglieds die Bereitschaft der NATO, in Krisen als geschlossene Einheit zu handeln, in Frage stellt.
Mögliche Szenarien und Folgen
Kurz zu den realen Varianten:
- Diplomatisch: Verhandlungen mit Dänemark und den autonomen Behörden Grönlands, Investitionspakete und Sicherheitsgarantien — der risikoärmste Weg für die USA und die Verbündeten.
- Rechtlich/vertraglich: Schaffung spezieller Abkommen (in den Medien genannter COFA‑ähnlicher Ansatz) zur Verstärkung der militärischen Präsenz ohne Übertragung der Souveränität — ein Kompromiss, aber schwer umzusetzen und politisch sensibel für Dänemark.
- Militärisch: direkte Machtdemonstration oder der Einsatz von Truppen — ein Szenario mit den gravierendsten geopolitischen Folgen, insbesondere für das Vertrauen innerhalb der NATO und die europäische Sicherheit.
Was das für die Ukraine bedeutet: Die Schwäche des Bündnisses bei der Lösung von Streitigkeiten zwischen seinen Mitgliedern oder zwischen Verbündeten und den USA untergräbt die kollektive Sicherheit in Europa. Die Ukraine hat ein Interesse an Stabilität und Vorhersehbarkeit der NATO: Jegliche Anzeichen von Spaltung oder selektivem Verhalten großer Verbündeter schaffen langfristige Risiken.
Fazit
Die Erklärungen des Weißen Hauses zwingen dazu, über die Schlagzeilen hinauszublicken: Die Frage Grönlands betrifft nicht nur die Inseln in der Arktis, sondern Präzedenzfälle im Verhalten von Verbündeten und die Grenzen der Souveränität. Fachkreise sind sich einig, dass jetzt nicht laute Erklärungen zählen, sondern leise, juristisch fundierte diplomatische Schritte. Ob die USA und die europäischen Partner bereit sind, geostrategische Ambitionen in stabile institutionelle Lösungen zu verwandeln, ist die Schlüsselfrage für die Zukunft der NATO und die Sicherheit des Kontinents.