Italienische Militärs landeten auf russischem Tanker der "Schattenflotte"

Ein unter der Flagge Kameruns fahrendes Schiff versuchte sich einer Kontrolle im Mittelmeer zu entziehen — der Kapitän weigerte sich zunächst zu kooperieren, bis eine Militärgruppe von einem Hubschrauber an Bord ging.

36
Teilen:
Італійські військові під час перевірки танкера Toa Payoh (Фото: Міністерство оборони Італії)

Italienische Militärs führten eine Überprüfung des Öltankers Toa Payoh durch, der unter Sanktionen der Europäischen Union steht und zu der sogenannten russischen "Schattenflotte" gehört. Dies teilte das italienische Verteidigungsministerium mit.

Die Überprüfung sollte die Rechtmäßigkeit der Flagge bestätigen, unter der das Schiff fährt. Der Tanker fährt unter der Flagge Kameruns.

Die Operation dauerte etwa zwei Stunden unter Unterstützung eines griechischen Kriegsschiffs und eines polnischen Patrouillenflugzeugs und verlief ohne Zwischenfälle. Derzeit läuft die Analyse der während der Schiffskontrolle gewonnenen Informationen und Dokumente.

Ablauf des Stopp

Das Schiff verließ am 16. Juli den Hafen des westafrikanischen Landes Benin und war auf dem Weg nach Istanbul. Es wurde westlich der Insel Pantelleria im Mittelmeer abgefangen.

Nach Angaben des italienischen Verteidigungsministeriums kooperierte der Kapitän des Tankers zunächst nicht mit den Militärs. Danach landete eine Gruppe italienischer Militärs per Hubschrauber an Bord und führte die erforderliche Überprüfung durch.

Die Überprüfung wurde in internationalen Gewässern gemäß Artikel 110 des UN-Seerechtsübereinkommens durchgeführt.

"Diese Operation bestätigt einmal mehr Italiens konkreten Beitrag zur Sicherheit des Mittelmeerraums und zur Umsetzung der Politik der Europäischen Union", erklärte Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto.

Umfang des Systems

Russland nutzt die "Schattenflotte", um westliche Sanktionen zu umgehen und Öl zu exportieren, dessen Einnahmen eine Finanzierungsquelle für den Krieg gegen die Ukraine bleiben. Kontrollen solcher Schiffe erschweren die Funktionsweise dieses Systems.

  • Am 25. Juni stoppte Frankreich einen Tanker mit russischem Öl vor Sizilien ab, der ebenfalls unter der Flagge Kameruns fuhr.
  • Das vereinbarte 21. EU-Sanktionspaket gegen Russland wird es den Mitgliedstaaten ermöglichen, russisches Öl zu beschlagnahmen und zu verkaufen, das von beschlagnahmten Schiffen der "Schattenflotte" transportiert wird.

Die Flagge Kameruns taucht zum zweiten Mal innerhalb eines Monats in Fällen mit beschlagnahmten Tankern auf – die Frage ist, ob das afrikanische Land auf den Missbrauch seines Registers reagieren wird oder ob das System mit fiktiven Flaggen weiterhin funktionieren wird.

Weltnachrichten