Wer in der EU gegen die Ukraine: ECFR-Zahlen, die mehr erklären als Geografie

Ungarn, Bulgarien und Österreich führen bei dem Anteil der Gegner des Ukrainen-Beitritts zur EU an. Allerdings zeigt die ECFR-Umfrage „Home Alone" ein Paradoxon: Die Bevölkerung, die der Frontlinie am nächsten ist, unterstützt die Mitgliedschaft am wenigsten.

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Ілюстрація Кріса Айхбергера / ECFR

19.481 Befragte in 15 Ländern — das ist der Umfang einer neuen Umfrage des Europäischen Rates für Internationale Beziehungen (ECFR), die im Mai 2025 durchgeführt wurde. Die zentrale Frage: Unterstützen Europäer die Erweiterung der EU nach Osten durch den Beitritt der Ukraine?

Wo das „Nein" am lautesten klingt

Die Zahlen der Länder mit dem stärksten Widerstand sprechen eine deutliche Sprache. 47% der Ungarn halten den Beitritt der Ukraine für eine schlechte Idee — gegenüber nur 15%, die ihn unterstützen. In Bulgarien — 46% gegen 19%, in Österreich — 42% gegen 24%.

Eine Überraschung ist Estland. Einer der konsequentesten Verbündeten Kiews auf Regierungsebene zeigt ein Ergebnis, das nicht in die „baltische Erzählung" passt: 37% der Esten halten die Erweiterung für eine schlechte Idee, 32% für eine gute. Wie die ECFR anmerkt, ist dies keine Ablehnung der Erweiterungsidee als solcher, sondern eine Warnung mit der Formulierung „im derzeitigen Kontext".

Wo die Unterstützung höher als erwartet ist

Portugal, Spanien, Schweden und die Niederlande sind am fortschrittlichsten in der Frage des Beitritts der Ukraine. Die Niederlande sind hier ein besonderer Punkt: Das Land galt traditionell als skeptisch gegenüber der EU-Erweiterung, doch jetzt neigt sich die öffentliche Meinung zur Unterstützung.

Insgesamt in allen 15 Ländern unterstützen 32% die Erweiterung nach Osten, 30% sind dagegen. Der Unterschied ist minimal, was bedeutet:

  • Es gibt keinen Konsens in der EU.
  • Aber es gibt auch keine massive Ablehnung.
  • In jedem Land lehnt ein großer Teil der Bürger einfach ab, eine Position einzunehmen — und gerade dieses Elektorat wird die Richtung bestimmen.

Warum die „Geografie der Unterstützung" ein Paradoxon ist

Die Logik deutet darauf hin: Je näher am Krieg — desto mehr verstehen die Menschen die Einsätze. Aber die ECFR-Daten zerstören diesen Zusammenhang. Polen und Estland — Nachbarn der Ukraine — zeigen eine Meinungsspaltung, die Frankreich und Deutschland ähnelt. Dagegen haben sich Portugal und Spanien, die weder an Russland noch an die Ukraine grenzen, als Anführer der Unterstützung hervorgetan.

„Es gibt keinen gesellschaftlichen Konsens über den Beitritt der Ukraine zur EU im derzeitigen Kontext — nicht einmal unter den geografisch nächsten Nachbarn".

— ECFR, Bericht „Home Alone", 2025

Die ECFR erklärt dies nicht mit einer Ablehnung der Erweiterungsidee, sondern mit unterschiedlichen Wahrnehmungen von Risiko und Zeithorizont. Bürger von Schweden oder Portugal machen sich weder um Migrationsdruck noch um wirtschaftlichen Wettbewerb um EU-Mittel so große Sorgen wie die Länder Mitteleuropas.

Was das für den Verhandlungsprozess bedeutet

Der Beitritt zur EU erfordert Einstimmigkeit aller 27 Mitgliedstaaten. Ungarn zeigt bereits, dass Regierung und öffentliche Meinung sich beim Blockieren einigen können — und das ist ein anderes Szenario, als wenn Orbán gegen seine Wähler handelt.

Gleichzeitig stellt die ECFR fest, dass in allen untersuchten Ländern (außer Bulgarien) die Mehrheit der Bürger glaubt: Wenn ihr Land angegriffen würde, würden die anderen EU-Mitglieder zu Hilfe kommen. Das heißt, Solidarität im Bereich Sicherheit wird viel breiter wahrgenommen als ein gemeinsames Erweiterungsprojekt.

Wenn es bis zu den nächsten Wahlen in Bulgarien und Ungarn den Oppositionskräften nicht gelingt, die gesellschaftliche Erzählung über die EU-Erweiterung zu verändern, wird Kiew mit einer Situation konfrontiert, in der die Blockierung nicht nur politisches, sondern auch demokratisches Schutzdach hat.

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