Am 6. Januar versammelte sich im Élysée-Palast das größte Treffen der „Koalition der Willigen": Führungspersonen europäischer Länder, Kanadas, Vertreter der USA, der EU und der NATO. Das Ergebnis — die Pariser Erklärung über „zuverlässige Sicherheitsgarantien für einen stabilen und dauerhaften Frieden". Doch zwischen der Erklärung und den Verpflichtungen, die tatsächlich in Kraft treten, steht eine Bedingung: Russland muss sich auf einen Waffenstillstand einigen.
Was wurde unterzeichnet — und wann wird es wirksam?
Die Erklärung legt drei Schlüsselbereiche fest. Erstens die Teilnahme an einem Überwachungsmechanismus unter Führung der USA: ein kontinuierliches Überwachungssystem für den Waffenstillstand, an dem Mitglieder der Koalition sowie eine gemeinsame Kommission zur Überprüfung von Verstößen beteiligt sein werden. Zweitens multinationale Truppen für die Ukraine — ein europäisches Kontingent mit Beteiligung nicht-europäischer Koalitionsmitglieder und mit US-Unterstützung zur Wiederherstellung der Armee und zur Abschreckung. Drittens „rechtlich und politisch verbindliche Garantien" für den Fall eines neuerlichen russischen Angriffs.
„Jede Regelung muss durch zuverlässige Sicherheitsgarantien für die Ukraine gestützt werden"
— Pariser Erklärung der Koalition, 6. Januar 2026
Die Erklärung selbst enthält jedoch einen Vorbehalt: Alle Mechanismen „müssen streng nach einer glaubwürdigen Beendigung der Kampfhandlungen in Kraft gesetzt werden". Mit anderen Worten: Die Pariser Erklärung ist eine Absprache zwischen den Verbündeten darüber, was sie füreinander tun werden. Russland ist an diesem Dokument nicht beteiligt.
Kontext: Wo stehen die Verhandlungen?
Bei dem Treffen in Mar-a-Lago am 28. Dezember erörterten Trump und Selenskyj einen 20-Punkte-Plan, der nach Wochen von Verhandlungen in Florida vereinbart wurde. Nach Angaben Selenskyjs ist das Dokument „zu etwa 90 Prozent fertig" — doch zwei Punkte (das Kernkraftwerk Saporischschja und die Territorialfrage) sind noch offen. Die USA erklärten sich bereit, der Ukraine Sicherheitsgarantien anzubieten, die dem NATO-Artikel 5 ähneln, für 15 Jahre — im Gegenzug für Kiews Verzicht auf einen formellen Antrag auf NATO-Mitgliedschaft.
Die Reaktion Moskaus bleibt skeptisch. Bei einer Pressekonferenz am 19. Dezember erklärte Putin, dass Russland „den Donbas und Neurussland auf militärischem oder anderem Wege befreien" werde. Der Kreml lehnt grundsätzlich jegliche Präsenz von NATO- oder Koalitionstruppen auf ukrainischem Territorium zur Überwachung des Waffenstillstands ab.
Die Rolle Europas: Reell oder dekorativ?
Berlin und Paris gestalten aktiv die Position der EU in diesen Verhandlungen. Merz organisierte Koordinierungstreffen europäischer Führungspersonen vor Kontakten mit Trump, und Macron bezeichnete die Pariser Erklärung als „einen bedeutenden Schritt". Laut Starmer werden Großbritannien und Frankreich nach dem Waffenstillstand „Militärhubs" in der gesamten Ukraine schaffen, um Waffen zu lagern und Truppen auszubilden.
Doch der Vertreter der amerikanischen Seite Jared Kushner sagte bei der Abschlusspressekonferenz unmissverständlich: „Das bedeutet nicht, dass wir Frieden erreichen werden. Aber ohne die heute erzielten Fortschritte wäre Frieden unmöglich gewesen". Mit anderen Worten: Das Pariser Treffen ist nicht der Schlusspunkt, sondern ein Semikolon.
- Die Pariser Erklärung wurde von allen Koalitionsmitgliedern unterzeichnet — doch die „bindenden Verpflichtungen müssen noch überarbeitet werden", wie im Dokumenttext direkt angegeben
- Der Umfang der vorgeschlagenen Truppen wurde nicht öffentlich bekannt gegeben
- Russland besetzt etwa 20 Prozent der Ukraine und zeigt keine Bereitschaft zu einem Waffenstillstand ohne „vollständige Regelung"
- Die Territorialfrage — wo die Demarkationslinie verläuft — bleibt offen
Selenskyj erklärte, dass er den 20-Punkte-Plan zur Abstimmung in der Ukraine bringen möchte. Für eine Abstimmung ist jedoch ein Waffenstillstand von mindestens 60 Tagen erforderlich — dem Moskau derzeit nicht zustimmt.
Sollte Russland den Plan bis Ende Januar ablehnen, steht die Koalition vor einer konkreten Wahl: den Druck durch neue Sanktionen verstärken (die EU bereitet bereits ein weiteres Paket vor) oder die eigenen „Verpflichtungen" überprüfen, die bislang an eine Bedingung gebunden sind, die der Kreml kontrolliert.