Das schultergestützte Flugabwehrraketensystem wiegt etwa 16 Kilogramm, wird von einer Person bedient und ist in der Lage, ein Flugzeug in einer Höhe von bis zu 4 Kilometern abzuschießen. Genau solche Systeme — Flugabwehrraketensysteme der Klasse MANPADS — hat der amerikanische Geheimdienst in einer Liste erfasst, wonach China plant, diese in den kommenden Wochen in den Iran zu versenden. Dies berichtet CNN unter Berufung auf drei informierte Quellen.
Ein besonderes Detail: Nach Angaben von CNN plant Peking, die Herkunft der Fracht zu verschleiern, indem die Lieferungen über Drittländer geleitet werden. Weder das Außenministerium noch das Weiße Haus noch die chinesische Botschaft in Washington haben auf Anfragen zu diesen Informationen reagiert.
Nicht zum ersten Mal — aber nun mit neuem Kontext
China hat dem Iran bereits früher Waffen dieser Kategorie geliefert. Nach Angaben aus offenen Quellen erhielt der Iran chinesische Systeme der Serie QW und FN-6, und eines dieser Komplexe hätte nach bekannten Daten fast ein amerikanisches F/A-18 Super Hornet getroffen. Diese aktuelle Lieferung ist kein Debüt, sondern eine Eskalation.
Was sich geändert hat, ist der diplomatische Moment. Während der Geheimdienst Frachten registriert, die zur Versendung vorbereitet werden, reisen amerikanische und iranische Delegationen am 11. April nach Islamabad zu Verhandlungen, die vor dem Hintergrund eines brüchigen Waffenstillstands stattfinden. Die amerikanische Seite — Vizepräsident JD Vance, Steve Witkov und Jared Kushner — fordert vom Iran die Beschränkung des Raketenprogramms, die Einstellung der Urananreicherung und die vollständige Öffnung der Straße von Hormus. Der Iran antwortete mit seinem eigenen 10-Punkte-Gegenplan, in dem er unter anderem die Anerkennung seiner Souveränität über die Meerenge fordert.
Warum MANPADS mehr als nur eine Waffe sind
MANPADS sind eine Waffenkategorie, auf die die USA seit Jahrzehnten ein strenges Nichtverbreitungsregime anwenden. Der Grund ist einfach: Diese Komplexe lassen sich leicht verbergen, leicht an Proxy-Strukturen weitergeben und sind nach der Weitergabe äußerst schwer zu verfolgen. Falls CNN recht hat, liefert Peking dem Iran bewusst ein Werkzeug, das dieser an die Hisbollah, die Huthi oder andere Gruppen weitergeben könnte — ohne jede chinesische Spur beim Endbeschafften.
«Die Iraner scheinen nicht zu verstehen, dass sie außer kurzfristiger Erpressung der Welt durch internationale Seewege keine Trümpfe in der Hand haben»
— Donald Trump, Truth Social, am Vorabend der Verhandlungen in Islamabad
Parallel dazu wird Trumps Rhetorik nicht milder: Der Präsident drohte, iranische Kraftwerke, Ölbohrungen und Entsalzungsanlagen zu zerstören, falls die Einigung nicht «sehr bald» erreicht wird. Dies sind Verhandlungen, bei denen eine Seite mit einem Ultimatum an den Tisch kommt, während die andere neue Waffen von einer dritten Partei erhält.
Chinas Rolle in dieser Konstellation
Peking spielt in dieser Konstellation eine komplexe Rolle. Pakistan — der Vermittler zwischen USA und Iran — entsandte nach der letzten Verhandlungsrunde seinen Außenminister nach Peking, was nach Einschätzung von Al Jazeera die «wachsende Beteiligung Chinas» widerspiegelt. Gleichzeitig bereitet genau China nach Geheimdienstangaben eine Lieferung vor, die die iranischen Positionen kurz vor den Verhandlungen stärkt.
Dies ist kein Widerspruch — es ist eine Strategie: gleichzeitig im diplomatischen Kreis zu sein und die Seite zu beliefern, die ohne Unterstützung schneller nachgeben würde.
Falls die Verhandlungen in Islamabad am 11. April zumindest zu einer grundsätzlichen Einigung führen, wird sich Washington vor die Wahl gestellt sehen: öffentlich Druck auf Peking wegen der Lieferungen ausüben und das chinesische Vermittlungsangebot zerstören, oder stillschweigend akzeptieren und sich auf die Endphase konzentrieren. Die Antwort auf diese Frage wird bestimmen, ob dieser derzeitige Waffenstillstand der Beginn eines Ausstiegs aus der Krise ist — oder nur eine Pause vor der nächsten Eskalation.