Wenn es nur um Geld ginge, hätte der Vertrag zwischen der Europäischen Union und Großbritannien längst unterzeichnet sein können. Aber hinter jedem Milliardenbereich steckt ein separates Hindernis — und das größte sitzt immer noch in Budapest.
Worum es geht und warum gerade jetzt
Nach Informationen von Bloomberg aus anonymen Quellen verhandeln die EU und Großbritannien über einen Mechanismus, der es der Ukraine ermöglichen würde, britische Waffen durch einen Kredit in Höhe von €90 Milliarden zu kaufen, der bereits im Dezember 2025 vom Europäischen Rat genehmigt wurde. Gemäß der Vereinbarung wird London einen finanziellen Beitrag zum EU-Verteidigungsfonds leisten und erhält im Gegenzug Zugang zu gemeinsamen Beschaffungsmechanismen — die Ukraine kann die Kreditgelder dann ohne bürokratische Verzögerungen für britische Waffensysteme ausgeben.
Der Kredit ist wie folgt strukturiert: €30 Milliarden — für die Haushaltsanforderungen der Ukraine, €60 Milliarden — für den Erwerb von Waffen und Munition. Wie das Europäische Parlament im Februar 2026 bestätigte, wird das Darlehen durch gemeinsame EU-Anleihen auf den Kapitalmärkten finanziert, und die Rückzahlung wird erwartet, nachdem Russland den verursachten Schaden erstattet hat.
Großbritannien: Der Eintrittspreis erwies sich als zu hoch
Die Verhandlungen zwischen London und Brüssel über das SAFE-Instrument laufen seit 2025 — und sind bereits einmal in eine Sackgasse geraten. Großbritanniens Verteidigungsminister John Healey bestätigte öffentlich: London war bereit zu zahlen, aber „SAFE entsprach nicht den Kosten-Nutzen-Kriterien für britische Steuerzahler und die britische Industrie". Nach Angaben von Bloomberg bot die Europäische Kommission Großbritannien einen Beitrag in der Spanne von €4 bis €6,75 Milliarden an — im Vergleich zu einer einmaligen Zahlung Kanadas von €10 Millionen.
Die aktuelle Verhandlungsrunde sucht laut Quellen nach einer Formel, die für beide Seiten akzeptabel ist: Großbritannien erhält realen Marktzugang, die EU erhält einen Finanzpartner außerhalb des Blocks.
Ungarn: Ein Blockierer hält €90 Milliarden fest
Das Haupthindernis ist nicht rechtlich, sondern politisch. Ungarn hat die Kreditzuteilung blockiert, obwohl 24 EU-Mitgliedstaaten einer verstärkten Zusammenarbeit zugestimmt haben, die Budapest, Bratislava und Prag von den finanziellen Verpflichtungen ausschließt. Premierminister Viktor Orbán hat sein Veto an die Forderung zur Wiederherstellung der russischen Ölversorgung durch die Pipeline „Druschba" gekoppelt.
Daraufhin hat die Europäische Kommission die Zuweisung an Ungarn von rund €16 Milliarden Krediten im Rahmen des SAFE-Umrüstungsprogramms eingefroren — direkter Druck: Budapest ist sehr an diesen Mitteln interessiert und fordert mehr als eine Milliarde mehr, als Brüssel anbietet.
„Es ist schwierig, Milliarden Euro für Orbán zuzustimmen, wenn er das Prinzip der loyalen Zusammenarbeit verletzt und Geld für ein Land blockiert, das gegen Russland kämpft".
Ein EU-Diplomat, zitiert von der polnischen Publikation Pravda Poland
12. April als Referenztag
Die Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April sind der Moment, auf den sich beide Verhandlungsseiten konzentrieren. Umfragen von Gallup, Reuters und The Economist zeigen einen echten Wettkampf zwischen Fidesz und der Oppositionspartei „Tisza" von Péter Magyary. Wenn Orbán die Mehrheit verliert, wird die Kreditblockade automatisch aufgehoben — und die Vereinbarung zwischen der EU und Großbritannien wird in kurzer Zeit realisierbar.
Die Analystin des Rats für internationale Beziehungen Heidi Krebo-Rediker weist darauf hin, dass die ukrainische Rüstungsindustrie — besonders im Bereich Drohnen und elektronische Kriegsführung — eine Integration in einheitliche Beschaffungs-Ökosysteme der EU und der NATO benötigt, um zu skalieren. Der britisch-europäische Mechanismus, wenn er funktioniert, wird genau diesen Prozess beschleunigen.
Was außerhalb des Rahmens bleibt
Die derzeit diskutierte Vereinbarung hat keinen öffentlich abgestimmten Kontrollmechanismus dafür, unter welchen Bedingungen Großbritannien in den Fonds eintritt und wie Risiken verteilt werden, wenn die Ukraine das Darlehen nicht bedienen kann. Die Repatriierung gefrorener russischer Vermögenswerte als Rückzahlungsquelle ist bisher eine rechtliche Konstruktion, keine Garantie.
Wenn Orbán nach dem 12. April die Macht behält — wird die EU sich dann einigen, das Darlehen unter Umgehung Ungarns durch einen anderen rechtlichen Mechanismus freizugeben, oder werden die Verhandlungen mit Großbritannien erneut auf unbestimmte Zeit stehen bleiben?