Das Pentagon hat einem Bericht von Politico zufolge den Plan zur Stationierung von Tomahawk-Raketen in Deutschland faktisch begraben, wobei die Vereinbarung bereits unter Joe Biden getroffen worden war. Quellen des Magazins – zwei europäische und ein amerikanischer Beamter, die anonym sprachen – behaupten, dass einer der Hauptgründe die Befürchtung ist, dass Moskau die Erscheinung von Raketen als Eskalation betrachten könnte.
Was wird abgesagt und warum ist das wichtig
Das Bataillon sollte mit Typhon-Startsystemen operieren, die Tomahawk-Marineflugkörper und SM-6-Raketen abfeuern können. Die Stationierung war ursprünglich unter der Biden-Administration als Teil einer breiteren NATO-Strategie zur Eindämmung Russlands vereinbart worden.
Die Stationierung dieser Raketen – von Biden im Jahr 2024 versprochen – sollte die konventionelle NATO-Abschreckung gegen Russland als Reaktion auf die 2018 von Moskau durchgeführte Stationierung von Iskander-Raketen im Exklave Kaliningrad an der Ostsee verstärken.
„Dieser Plan ist faktisch tot. Deutschland und seine Verbündeten bleiben mit einer Verteidigungslücke zurück – und ohne schnelle Möglichkeit, diese zu schließen".
Politico
Asymmetrie der Bedrohung
Die Stationierung war ursprünglich als NATO-Reaktion auf die Stationierung russischer Iskander-M-Raketen in Kaliningrad diskutiert worden, wo die Raketenreichweite Russlands bereits einen großen Teil Mitteleuropas abdeckt.
Berlin betrachtete die Entscheidung als Zeichen dafür, dass die amerikanischen Verpflichtungen in Europa zunehmend politisch bedingt werden – und gleichzeitig öffnet dies in der NATO erneut eine Lücke im Bereich des konventionellen Angriffs, da Deutschland kein einziges landgestütztes Präzisionswaffensystem mit einer Reichweite von über 1000 km hat.
Was als Option bleibt
Eine der unmittelbaren Optionen für Berlin ist die Modernisierung der Taurus-Raketen, die derzeit eine Reichweite von etwa 500 km haben. Berlin hat die Produktion dieser Raketen ausgesetzt, plant aber die Wiederaufnahme der Produktion der Variante Taurus Neo.
Die Modernisierung von Taurus Neo wird die Reichweite auf etwa 1000 km erhöhen, wird aber nicht vor 2030 verfügbar sein. Mit anderen Worten, die Lücke wird mindestens fünf Jahre lang bestehen bleiben.
Ein hochrangiger NATO-Diplomat gab zu, dass Europa immer noch über Kapazitäten im Bereich „Feuer großer Reichweite" verfügt.
Wenn Berlin bis 2030 weder amerikanische Tomahawks noch ein eigenes System erhält, wird die eigentliche Frage nicht sein, ob Russland auf die Raketen reagiert – sondern ob die NATO es ohne sie eindämmen kann.