Peter Magyár gewann die Wahlen in Ungarn mit einer klaren Rhetorik: weniger Abhängigkeit von Moskau, mehr von der EU. Aber der erste praktische Test dieses Kurses erwies sich überraschend prosaisch: die Erdölleitung „Druschba", beschädigt durch russische Anschläge am 27. Januar 2026, funktioniert immer noch nicht — und nach der Reparatur wird Ungarn gezwungen sein, sie erneut zu nutzen.
Reparatur bis Ende April — aber nicht vollständig
Selenskyj bestätigte während seines Besuchs in Deutschland: die Ukraine wird „Druschba" bis Ende April auf einem Niveau reparieren, das ausreichend ist, um den Transit wiederherzustellen. Nach seinen Angaben geht es um die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit und nicht um eine vollständige Erneuerung der Speicherinfrastruktur. Eine vollständige Reparatur ist ein langwieriger Prozess.
Dies ist eine teilweise Inbetriebnahme, die es ermöglicht, die Versorgung Ungarns und der Slowakei wiederherzustellen — zwei Länder, die seit Ende Januar ohne die übliche Route russischen Öls auskommen.
Magyár will „billig und zuverlässig" — aber nicht nur aus Russland
Auf seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg verzichtete Magyár nicht auf russisches Öl, markierte aber eine Richtung: Diversifizierung durch den Aufbau grenzüberschreitender Kapazitäten und neue internationale Vereinbarungen — im Namen des Staates oder des Unternehmens MOL. „Russland wird in der Nähe sein, Ungarn wird in der Nähe sein. Daher werden wir versuchen, die Versorgung zu diversifizieren", zitierten ihn ungarische und ukrainische Medien.
MOL bewertet bereits seit langem Alternativen. Sándor Pál Szabó, Senior Vice President des Unternehmens, nannte gegenüber Bloomberg die Erdölleitung von Odessa als vielversprechendste Option — sie ist technisch in der Lage, „Druschba" zu ersetzen, wenn sie ausreichende Finanzierung und politische Unterstützung erhält.
Wo hier das Interesse Kiews und Brüssels liegt
Richard Demény, Energieexperte des Analysezentrums Political Capital, erklärt die Logik einfach: zu Beginn der neuen Regierung in Budapest wird russisches Öl auf jeden Fall benötigt. Die EU und die Ukraine können dazu beitragen, dass „Druschba" funktioniert — und dadurch Magyár Zeit für eine echte Diversifizierung ohne politischen Kollaps geben.
Ungarn wird nach der Reparatur vorläufig gezwungen sein, „Druschba" zu nutzen. Die EU und die Ukraine werden dies unterstützen, um der neuen Regierung Zeit für eine Diversifizierung zu geben.
Richard Demény, Political Capital
Das ist kein Zugeständnis an Orbán — das ist eine Wette darauf, dass Magyár einlöst, was er versprochen hat. Der Unterschied ist wesentlich: Orbán blockierte jahrelang EU-Sanktionen, unter anderem wegen „Druschba". Der neue Premierminister ist nach Magyárs eigenen Worten bereit, der Europäischen Staatsanwaltschaft beizutreten und die Verfassung zu ändern. Energie ist Teil desselben Reformpakets.
Was wirklich auf dem Spiel steht
- Ungarn erhält Zeit zur Diversifizierung ohne Versorgungszusammenbruch und steigende Preise für die Bevölkerung.
- Die Ukraine behält die Transiteinnahmen — 2024 betrugen diese etwa 250 Millionen Dollar pro Jahr.
- Die EU entschärft einen akuten Konflikt mit Budapest in einem kritischen Moment, in dem Einheit bei Sanktionen gegen Russland erforderlich ist.
Die Frage ist nicht, ob „Druschba" nach der Reparatur funktioniert — sehr wahrscheinlich wird sie es. Die Frage ist, ob Magyár in den nächsten zwei bis drei Jahren eine echte Alternative über Odessa oder die Adria aufbauen kann, bevor der nächste Anschlag auf die Pipeline Ungarn erneut vor die gleiche Wahl stellt.