Premierministerin Julia Swiridenko teilte nach einem Treffen mit EU-Kommissarin für Erweiterung Marta Kos mit, dass eine nächste Tranche in Höhe von 2,7 Milliarden Euro folgen wird. Die Mittel werden im Rahmen des Programms Ukraine Facility bereitgestellt – ein Mechanismus, durch den die EU die Ukraine zwischen 2024 und 2027 mit bis zu 50 Milliarden Euro ausstattet, im Austausch für konkrete Reformen.
Die vorherige Tranche erhielt die Ukraine bereits im Dezember 2025 – damals waren es 2,3 Milliarden Euro. Seitdem sind über vier Monate ohne neue Zahlungen vergangen.
Warum das Geld steckengeblieben ist
Der Grund für die Verzögerung liegt nicht in der Brüsseler Bürokratie, sondern in der Unfähigkeit des Parlaments, die vereinbarten Gesetze rechtzeitig zu verabschieden. Nach Angaben des Konsortiums von Analysezentren RRR4U erfüllte die Ukraine 2025 die Indikatoren des Programms nicht um über 3,6 Milliarden Euro: 14 Punkte des Ukraine-Plans blieben unerfüllt, die meisten davon im vierten Quartal.
Kurz vor der Abstimmung im April schickte die EU-Kommissarin Marta Kos einen Brief direkt an den Sprecher der Werchowna Rada und wies auf 11 Gesetzentwürfe hin, von denen bis zu 4 Milliarden Euro Finanzierung abhängen. Die Sprecherin der Europäischen Kommission Arianna Podesta präzisierte: Die Ukraine kann einen Antrag auf eine Tranche erst einreichen, nachdem die Schlüsselgesetze in Kraft treten – nicht nach der Abstimmung, sondern erst nach ihrer Verabschiedung.
Was das Parlament beschloss
Am 7. April billigte das Parlament drei Gesetzentwürfe, die Bedingung für die Auszahlung sind: über die Digitalisierung des Verwaltungsverfahrens, über die Integration in den EU-Energiemarkt und über die Reform des Systems der staatlichen Aufsicht. Swiridenko nannte genau diese als Grundlage für die neue Finanzierungsanfrage.
«Diese Finanzierung ist für alle zivilen Haushaltsausgaben entscheidend, da unsere eigenen Einnahmen zur Verteidigung gehen»
Maxim Samojljuk, Wirtschaftswissenschaftler des Zentrums für Wirtschaftsstrategie
Samojljuk warnte wiederholt davor, dass Verzögerungen bei den Reformen direkt die Ausgaben für Bildung, Medizin und Sozialschutz treffen – also genau jene Haushaltsposten, die nicht aus Verteidigungsmitteln finanziert werden.
Umfang und Risiken
2,7 Milliarden Euro sind ungefähr 110 Milliarden Hrywnja zum aktuellen Kurs oder über 6% aller geplanten Sozialausgaben des Staatshaushalts für 2026. Insgesamt hat die EU seit Beginn des Vollkriegs der Ukraine 70,7 Milliarden Euro übermittelt; davon 26,7 Milliarden im Rahmen der Ukraine Facility.
Die Situation ist jedoch weit entfernt von Stabilität. Das Haushaltsdefizit 2026 beträgt 2,4 Billionen Hrywnja, und der Großteil dieser Summe sollte durch internationale Hilfe gedeckt werden. Die Leiterin des Haushaltsausschusses der Werchowna Rada Roksolana Pidlasa warnt: Der Mangel an externer Finanzierung in diesem Jahr könnte 19 Milliarden Dollar erreichen. Im März 2026 verfehlte die Rada bereits die Abstimmung über einen der Gesetzentwürfe des Ukraine-Facility-Pakets.
Die Abstimmung im April entsperrte eine spezifische Tranche – aber im Ukraine-Plan bleiben Dutzende unerfüllter Indikatoren. Wenn die Werchowna Rada erneut mit Abstimmungen scheitert, könnte die nächste Tranche ähnlich verzögert werden wie diese: Es geht nicht darum, ob es Geld in Brüssel gibt, sondern darum, ob die Reform bis zur Frist des nächsten Quartals verabschiedet wird.