Einleitung
Die Journalistinnen und Journalisten von hromadske haben herausgefunden, dass die Familie des ehemaligen Leiters des Büros für Wirtschaftssicherheit, derzeit stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft der Oblast Chmelnyzkyj, Maksym Kuterha, im Laufe des Jahres 2024 Vermögen erworben hat, dessen Marktwert etwa $325 000 erreichen könnte — ein Betrag, der schwer mit den offiziellen Einkünften der Familie in Einklang zu bringen ist. Für die Öffentlichkeit ist das nicht nur ein interessantes Detail — es geht um das öffentliche Vertrauen in jene, die das Recht haben, Korruption zu bestrafen.
Was genau deklariert wurde und was gekauft wurde
Nach Angaben der Recherche:
Im Juli 2024 kaufte die Ehefrau des Amtsträgers ein Grundstück mit einer Fläche von 6,5 Sotska (6,5 сотки) in der Premium-Cottage-Anlage Piemont eco Village, etwa 15 Autominuten von Kiew entfernt. Der offizielle Preis des Grundstücks beträgt rund 239 000 грн (weniger als $6 000), doch auf dem Grundstück wurde bereits ein Wohnhaus des Typs „Etna“ mit einer Fläche von etwa 170 qm errichtet, dessen Marktwert die Journalistinnen und Journalisten auf über $300 000 schätzen. Formal wird das Haus noch als Objekt unvollendeter Bauarbeiten geführt.
In der Deklaration erschien außerdem ein Porsche, Baujahr 2019, zugelassen auf die Ehefrau; der Wert ist in der Deklaration verschwiegen. Derzeit hat die Eigentümerin das Auto zum Verkauf für $64 000 angeboten.
Offizielle Einkünfte der Familie — die nackten Zahlen
- Gehalt von Maksym Kuterha: etwa 1,2 млн грн;
- Einnahmen der Ehefrau aus unternehmerischer Tätigkeit: ungefähr 1,67 млн грн;
- Erlöse aus dem Verkauf von Immobilien: 2,7 млн грн.
Die Journalistinnen und Journalisten berechneten, dass die Gesamteinnahmen für das Jahr weiterhin hinter dem Marktwert des erworbenen Vermögens zurückbleiben, wenn man die typische Herstellungs- bzw. Anschaffungskosten für Haus und Auto berücksichtigt.
Kontext und mögliche Erklärungen
Die von den Journalistinnen und Journalisten befragten Expertinnen und Experten weisen auf mehrere mögliche Szenarien hin: Geschenke oder Darlehen von Verwandten, versteckte Einkünfte, der Verkauf zuvor erworbenen Vermögens oder nicht deklarierte Transaktionen. Keines dieser Szenarien ist bislang durch offizielle Dokumente bestätigt — daher sind eine transparente Erklärung des Amtsträgers und Prüfungen durch die Kontrollbehörden entscheidend.
Die Recherche hebt außerdem Verbindungen im beruflichen Umfeld hervor: Kuterha arbeitete in den Organen des Innenministeriums, der Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft, trat 2022 dem Büro für Wirtschaftssicherheit (БЕБ) bei und wurde später zum stellvertretenden Leiter der Staatsanwaltschaft der Oblast Chmelnyzkyj ernannt. Die Journalistinnen und Journalisten verweisen auf mögliche Verknüpfungen mit Anwaltkreisen, die mit dem stellvertretenden Leiter des Präsidialamts Oleg Tatarov verbunden sind — ein wichtiger Kontext, der überprüft werden muss.
Sozialer Hintergrund der Familie
Laut der Recherche arbeitete die Mutter der Ehefrau mehrere Jahre als Leiterin einer Apotheke und erwarb mindestens drei Immobilienobjekte in der Region Kiew und in Kiew selbst. Der Vater der Ehefrau bekleidete in der Vergangenheit leitende Positionen beim Charkiwer Flugzeugwerk, tauchte in Fällen des Nationalen Antikorruptionsbüros (НАБУ) auf und übernahm während der großangelegten Invasion eine Position in der Besatzungsverwaltung der Oblast Saporischschja sowie einen Anschluss an „Единая Россия“. Das Kommunarskyi-Bezirksgericht Saporischschja erklärte ihn für schuldig der kollaborativen Tätigkeit und verurteilte ihn zu acht Jahren Haft mit Vermögenskonfiskation.
„Die Familie des Amtsträgers hat im Jahr 2024 Vermögen erworben, dessen Marktwert die deklarierten Einkünfte der Familie deutlich übersteigt“
— hromadske, Recherche
„Die Ehefrau pflegt über lange Zeit keinen Kontakt zu ihrem Vater, und der Amtsträger selbst behauptet, ihn nicht zu kennen“
— Pressestelle der Staatsanwaltschaft der Oblast Chmelnyzkyj
Parallele Medienrecherchen
Neben dem Fall Kuterha deckte eine jüngste Recherche von Слідство.Інфо eine halb-legale Schule in einem Kloster in Kiew auf, in der Kinder mit sowjetischen Lehrbüchern unterrichtet und russische Filme gezeigt werden. Das ist ein weiterer Hinweis auf Herausforderungen im Kontrollsystem — in beiden Fällen aber steht die Forderung der Gesellschaft nach Transparenz und Rechenschaftspflicht im Mittelpunkt.
Wie es weitergeht und warum das wichtig ist
Diese Geschichte handelt nicht allein von elitären Käufen, sondern von einem Prinzip: Personen, die in Strafverfolgungsorganen arbeiten, müssen Vorbilder finanzieller Transparenz sein. Selbst mögliche Erklärungen entbinden nicht von der öffentlichen Notwendigkeit unabhängiger Prüfungen: ein Audit durch die Nationale Agentur zur Korruptionsprävention (НАЗК) oder andere zuständige Stellen sollten die Unterlagen anfordern und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Solange auf die offiziellen Prüfergebnisse gewartet wird, bleibt die zentrale Frage für jede Bürgerin und jeden Bürger einfach: Können wir uns auf Institutionen verlassen, die selbst Klarheit über die Herkunft ihrer Vermögenswerte brauchen? Davon hängt nicht nur die moralische Autorität, sondern auch die Effektivität des Kampfes gegen Korruption in Kriegszeiten ab.
Quellen
Recherche: hromadske; zusätzliche Materialien: Слідство.Інфо; Gerichtsentscheidungen — Kommunarskyi-Bezirksgericht Saporischschja.