Vermittler im Untersuchungsgefängnis, Vorgesetzte auf freiem Fuß: Was die Arithmetik der Kautionen in der "Pornobüros"-Affäre aussagt

Vier Leiter der Regionalpolizei haben Kautionen in Höhe von über 18 Millionen Hrywnja gezahlt und sind freigelassen worden. Der Fahrer des stellvertretenden Ministers – jener Mann, der persönlich Bargeld entgegennahm und zwischen Pornografie-Studios und Polizeibüros pendelte – bleibt hinter Gittern, da er keine Kaution stellen konnte.

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Приміщення Офісу Генерального прокурора (Фото: ОГП)

Am 20. Mai 2026 führten der SBU und das Büro des Generalstaatsanwalts gleichzeitig Durchsuchungen in drei Hauptverwaltungen der Nationalen Polizei durch — in den Gebieten Iwano-Frankiwsk, Ternopil und Schytomyr. Wenige Tage später ordnete das Gericht Präventionsmaßnahmen gegen fünf Verdächtige an. Derzeit sind bereits vier von ihnen zu Hause.

Wie das Schema funktionierte

Laut Ermittlungen erhielten Leiter der regionalen Polizeibehörden eine monatliche „Abonnementgebühr" von 20.000 Dollar — für garantierte Untätigkeit: nicht auf Beschwerden reagieren, Verstöße nicht dokumentieren, vorher vor Inspektionen warnen. Ein Vermittler erhielt monatlich weitere 5.000 Dollar.

Die Rolle des Vermittlers spielte ein Fahrer der Fuhrparkbewirtschaftung der öffentlichen Einrichtung „Zentrum für die Wartung von Unterabteilungen des Innenministeriums" — einer dem Innenministerium untergeordneten Abteilung. Wie die „Ukrainska Prawda" berichtet, erhielt er im Februar 2026 45.000 Dollar, im April weitere 25.000 Dollar. Gerade während der nächsten „Zahlung" wurde er festgenommen.

„Der Vermittler im Schema war der Fahrer eines der Stellvertreter des Innenministers. Er nutzte seine Verbindungen unter den Führungskräften der Nationalpolizei und handelte mit Beamten ab, um Stille rund um Pornostudios zu bewahren".

Generalstaatsanwalt Ruslan Kravtschenko

Um keine Spuren zu hinterlassen, kommunizierten die Beteiligten des Schemas über Messenger mit Decknamen, und die wichtigsten Details wurden ausschließlich persönlich besprochen.

Wer freigekommen ist — und für wie viel

Am 21. Mai ordnete das Gericht eine Präventionsmaßnahme in Form von Untersuchungshaft mit der Alternative von Kaution an. Die Kautionssummen sind aussagekräftig an sich:

  • Chef der Hauptverwaltung der Nationalpolizei in der Region Iwano-Frankiwsk — 7 Millionen Hrywnja (entrichtet)
  • Stellvertreter des Chefs der Hauptverwaltung der Nationalpolizei in der Region Iwano-Frankiwsk — 5 Millionen Hrywnja (entrichtet)
  • Erster Stellvertreter des Chefs der Ermittlungsabteilung der Hauptverwaltung der Nationalpolizei in der Region Ternopil — 5 Millionen Hrywnja (entrichtet)
  • Stellvertreter des Chefs der Hauptverwaltung der Nationalpolizei in der Region Schytomyr — 1 Million 164.000 Hrywnja (entrichtet)
  • Fahrer der öffentlichen Einrichtung „Zentrum für die Wartung von Unterabteilungen des Innenministeriums" — 8 Millionen Hrywnja (nicht entrichtet, bleibt im Untersucher­gefängnis)

Diese Logik wirkt paradox: Dem Fahrer — derjenige, der laut Ermittlungen direkt beim Erhalt einer Bestechung festgenommen wurde — setzte das Gericht die höchste Kaution von allen fünf an. Während vier Leiter regionaler Verwaltungen, denen systemische Korruption über Monate hinweg zur Last gelegt wird, die erforderlichen Summen aufbrachten und freikamen.

Bei den Durchsuchungen wurden bei den Beteiligten sechs Luxusautos, fünf Schweizer Uhren, Schusswaffen und Bargeld beschlagnahmt. Die Gesamtsumme der beschlagnahmten Mittel beträgt nach Angaben des Büros des Generalstaatsanwalts 22,6 Millionen Hrywnja — mehr als die Gesamtkaution für alle fünf.

Was aus dem Bild herausfällt

Die Ermittlungen haben bislang den Namen des Stellvertreters des Innenministers, dessen Fahrer der Vermittler war, nicht öffentlich genannt. Die Nationalpolizei hat interne Überprüfungen in drei Gebieten eingeleitet, doch deren Umfang und Zeitraum wurden offiziell nicht angekündigt. Die Ermittler stellen nach Aussagen des Büros des Generalstaatsanwalts „den vollständigen Kreis der beteiligten Personen fest" — was direkt darauf hindeutet, dass die aktuellen fünf Verdächtigen wahrscheinlich nicht die endgültige Liste sind.

Falls interne Überprüfungen der Nationalpolizei Beteiligte in diesen drei Gebieten aufdecken, aber die Ermittlung nicht auf die Ebene des Zentralapparats des Innenministeriums gelangt — dies allein würde eine Antwort auf die Frage über das tatsächliche Ausmaß der Ermittlung geben.

Weltnachrichten