Putin will "Kiew auslöschen": Warum diese These gerade jetzt geäußert wird

Ein Kolumnist des Telegraph erinnert die Welt daran, dass der Kreml seine Kriegsziele nicht geändert hat, während der Kreml gleichzeitig öffentlich Gerüchte über einen Friedensgipfel dementiert. Das ist kein Widerspruch — es ist ein und dieselbe Drucktaktik.

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Für Millionen Kiewer ist die Sirene um drei Uhr nachts längst zu Hintergrundgeräuschen geworden. Aber wenn ein britischer Kommentator schreibt, dass das Ziel des Kremls nicht nur darin besteht, die Stadt durch Anschläge zu erschöpfen, sondern sie als Symbol der ukrainischen Staatlichkeit auszulöschen, dann geht es nicht mehr um Sirenen — es geht darum, warum der Krieg genau so verläuft, wie er verläuft.

Eine Kolumne im Telegraph wurde von Owen Matthews geschrieben, und seine Hauptthese ist einfach: Putin hat seine maximalistischen Ziele von 2022 nicht aufgegeben. Nur die Taktik hat sich geändert — intensivere Luftanschläge, Steigerung der Produktionskapazitäten, der Versuch zu zeigen, dass Moskau mehr Zeit hat als Kiew und seine Partner.

Wem nutzt diese These gerade jetzt

Das Material erscheint nicht im Vakuum. Gerade in diesen Tagen hat der Kremlin öffentlich Gerüchte über ein mögliches Treffen von Trump, Zelensky und Putin dementiert und sie als „Informationsenten" bezeichnet. Das heißt, es gibt gleichzeitig zwei Signallinien: eine — „Moskau ist bereit zu verhandeln" (die jemand in Umlauf gebracht hat und die der Kremlin jetzt unterdrückt), die andere — „Moskau hat es nicht eilig und verfügt über Ressourcen für Jahre".

Die zweite Linie ist für den Kremlin genau deshalb vorteilhaft, weil sie die erste entwertet, noch bevor Verhandlungen Wirklichkeit werden. Wenn die offizielle Position lautet „wir haben unbegrenzte Zeit", dann wird jede zukünftige diplomatische Pause wie ein Zugeständnis Kiews aussehen und nicht wie ein Kompromissschritt Russlands.

Matthews wiederum richtet sich nicht an den Kremlin, sondern an das westliche Publikum. Seine These, dass ukrainische Anschläge auf Ölraffinerien und Lager Verluste verursachen, aber nicht zu einer schnellen Erschöpfung des militärischen Potenzials Russlands führen, — das ist eine Warnung vor übermäßigem Optimismus unter Partnern, die anfangen könnten, ihre Unterstützung zu reduzieren, wenn sie an einen „Wendepunkt" glauben.

Reaktion von Gegnern dieser These

Die ukrainische Seite hat öffentlich nicht direkt auf Matthews' Kolumne reagiert — und das ist gerade deshalb aussagekräftig, weil die These der Kiewer Position nicht widerspricht: Die ukrainische Regierung betont seit Jahren, dass Russland nicht zu echten Verhandlungen bereit ist, solange es keine spürbaren militärischen oder wirtschaftlichen Verluste erleidet. Das Problem liegt eher darin, an wen sich dieser Skeptizismus richtet.

Der Kommentator warnt, dass Kiew und seine westlichen Partner die Ressourcen und Möglichkeiten Russlands zur Fortsetzung des Krieges realistisch bewerten müssen.

Die Gegner hier sind nicht ukrainische Beamte, sondern jene Stimmen im Westen, die Langstreckenschläge als Zeichen der bevorstehenden Kapitulation Moskaus auslegen. Ihnen gilt die Botschaft „entspannt euch nicht". Und Putins Dementi des Treffens zwischen Trump, Zelensky und Putin funktioniert als Spiegelsignal: Moskau will wie die Seite aussehen, die das Tempo vorgibt, und nicht wie die Seite, die zum Verhandlungstisch eilt.

Die Frage ist nicht, ob Russland Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges hat — es hat sie. Die Frage ist, ob die westliche Koalition eine Pause ohne Illusionen über einen schnellen Wendepunkt durchhält: Wenn die Waffenlieferungen und der Sanktionsdruck genau dann nachlassen, wenn der Kremlin öffentlich Zuversicht demonstriert, werden Putins maximalistische Ziele noch ein weiteres Jahr zur Verwirklichung ohne jegliche Verhandlungen erhalten.

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