Russland brach ukrainischen Waffenstillstand innerhalb von Minuten. Selenskyj verspricht Gegenmaßnahmen "bald"

Ab Mitternacht des 6. Mai greift Russland die Ukraine mit Drohnen, Raketen und Fliegerbomben an – trotz des von Kiew verkündeten Waffenstillstands. Selenskyj bezeichnet dies als „Fernstrecken-Sanktionen als Vergeltung", doch der Abschreckungsmechanismus bleibt vorerst unklar.

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Володимир Зеленський (Фото: Офіс президента)

Um 00:00 Uhr am 6. Mai kündigte die Ukraine einseitig einen Waffenstillstand an. Russland brach ihn innerhalb von Minuten. Bis zum Morgen des 7. Mai verzeichneten die Streitkräfte der Ukraine 108 Angriffsdrohnen und drei Raketen — Daten bestätigt durch die Luftstreitkräfte der Ukraine und Außenminister Andrij Sybiga. Von diesen wurden 89 Drohnen abgeschossen oder durch elektronische Kampfführung unterdrückt, die restlichen neun sowie die Raketen trafen acht Objekte.

Was in der Nacht geschah

Der am besten dokumentierte Vorfall: Zwei Drohnen trafen einen Kindergarten im Zentrum von Sumy. Ein Sicherheitsbeamter wurde getötet, zwei weitere verletzt. Kinder befanden sich nicht vor Ort. Erhebliche Schäden an Zivilobjekten wurden auch in den Regionen Charkiw, Donezk und Cherson registriert. Parallel dazu wehrten die Streitkräfte der Ukraine dutzende Angriffsoperationen an Schlüsselabschnitten der Front und dutzende Luftanschläge mit Präzisionsbomben ab.

An der Front herrschte von der ersten Sekunde an kein Waffenstillstand. Dies ist kein Verstoß gegen den Waffenstillstand — es ist seine völlige Missachtung durch Moskau.

Warum Kiew einen Waffenstillstand kündigte

Selenskyj unternahm diesen Schritt, nachdem Russland seine eigene Pausierung am 8.–9. Mai ankündigte — an den Tagen des 81. Jahrestags des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland. Kiew schlug vor, den Waffenstillstand auszuweiten und setzte Moskau damit öffentlich einem Test zur Bereitschaft für Diplomatie aus. Europäische Partner bewerteten diese Geste als Demonstration von Friedensbereitschaft.

«Moskau ignorierte erneut einen realistischen und gerechten Aufruf zur Waffenruhe».

Andrij Sybiga, Außenminister der Ukraine

«Fernreichweiten-Sanktionen» — was dahinter steckt

Selenskyj formulierte Ukraines Antwort durch seine eigene Terminologie: «Fernreichweiten-Sanktionen» — Schläge gegen russisches Territorium als Reaktion auf jeden Angriff auf die Ukraine. Das Prinzip ist spiegelbildlich: Sie greifen uns an — wir schlagen zurück. Der Präsident warnte, dass die Ukraine «Tag für Tag gerecht handeln» werde.

Allerdings wurden konkrete Ziele, Zeitpläne oder Reaktionskriterien öffentlich nicht angekündigt. «Fernreichweiten-Sanktionen» ist ein Rahmen für das In- und Ausland und keine dokumentierte Militärdoktrin.

  • 108 Drohnen und 3 Raketen in der ersten Nacht nach Ankündigung des Waffenstillstands
  • 89 durch Abschuss oder elektronische Kampfführung unterdrückt
  • Anschläge auf Sumy, Charkiw, Donezk, Cherson
  • Dutzende Angriffsoperationen an der Front — parallel zu nächtlichen Angriffen

Was kommt als nächstes

Nach Selenskyjs Einschätzung interessiert sich Russland ausschließlich für «kurzfristige Ruhe auf dem Roten Platz» am 9. Mai — nicht für einen echten Waffenstillstand. Falls dem so ist, könnte der Druck an der Front nach den Feierlichkeiten wachsen: Moskau benötigt internationales Wohlwollen gerade am Tag der Parade, aber danach gibt es weniger abschreckende Faktoren.

Die Schlüsselfrage lautet nicht, ob die Ukraine antworten wird — sondern ob die Partner diese Verstöße als Grund für verstärkte Sanktionen gegen Russland feststellen: Falls nicht, werden «Fernreichweiten-Sanktionen» Kiews einziges echtes Reaktionsinstrument bleiben.

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