Am 10. Mai hielt eine gemeinsame Kontrolltruppe im Dorf Baibuziwka der Savranska-Gemeinde des Distrikts Podilia einen Mann zur Dokumentenkontrolle an. Es stellte sich heraus, dass er wegen Verstoßes gegen Militärregistrierungsvorschriften gesucht wurde. Als Reaktion zog er ein Messer. Zwei Militärangehörige erlitten zahlreiche Messerstiche und wurden beide in schwerem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Ärzte kämpfen um ihr Leben.
„Zielgerichteter Mordanschlag"
Das Odessaer Militärkommissariat und der Geheimdienst klassifizierten den Anfall genau so – nicht als Notwehr, nicht als chaotischer Konflikt. Die Formulierung ist grundsätzlich: Wenn die Ermittlungen die Absicht bestätigen, droht dem Mann eine entsprechende Strafe nach dem Artikel über Mordversuch, nicht nur wegen Widerstands gegen Behördenvertreter.
Einen Tag zuvor, am 9. Mai, ergriff in Lwiw ein anderer Mann beim Anblick von Militärs des Kommissariats ein 13-jähriges Mädchen und setzte ihr ein Messer an die Kehle. Der Zufall der Daten ist nicht das Einzige, das diese beiden Fälle verbindet.
Zahlen, die man nicht ignorieren kann
Nach Angaben der Nationalpolizei wurden seit Beginn der vollumfänglichen Invasion 619 Fälle von Widerstand und Angriffen auf Militärangehörige des Kommissariats während ihrer Dienstpflichten registriert. Dynamik:
- 2022 – 5 Fälle
- 2023 – 38 Fälle
- 2024 – 118 Fälle
- 2025 – 341 Fälle
Drei Militärs starben. Nach Angaben von ArmyInform unter Berufung auf die Nationalpolizei wurden seit Beginn des Jahres 2026 bereits über 117 Fälle dokumentiert – genauso viele wie im gesamten Jahr 2024.
„Seit 2025 hat der Widerstand gegen den legalen Mobilisierungsprozess harschere und gefährlichere Formen angenommen. Diese Situation erfordert eindeutig eine Reaktion".
Ombudsmann Dmytro Lubinets
Zwei Seiten einer Krise
Die steigende Zahl von Angriffen verläuft parallel zu Skandalen rund um die Kommissariate selbst: Korruptionsschemata, die vom Geheimdienst dokumentiert wurden, Videoaufnahmen von Gewaltanwendung, fehlende Bodycams bis September 2025. Der Ombudsmann kritisiert öffentlich die „Bussifizierung" – die Praxis der faktischen Festnahme von Bürgern ohne klare gesetzliche Befugnisse. Dies rechtfertigt keine Messeranschläge, erklärt aber, warum das Vertrauen in die Institution von beiden Seiten untergraben wurde.
Das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation stellt fest, dass russische Kanäle gezielt jeden ähnlichen Zwischenfall verstärken – indem sie Straftaten in eine Informationswaffe gegen die Mobilisierung verwandeln.
Wenn der Staat nicht gleichzeitig beide Knoten löst – die Rechenschaftspflicht der Kommissariate selbst und die echte Verantwortung für Anschläge auf ihre Mitarbeiter – werden die Statistiken von 2026, gemessen am Tempo, die Zahlen von 2025 bereits bis zum Sommer übertreffen.