Am Morgen des 15. Juli — am Tag der Ukrainischen Staatlichkeit — kamen mit Zügen etwa 10 ausländische Delegationen am Kiewer Hauptbahnhof an. Der Grund war zweifach: ein staatlicher Feiertag und der fünfte Gipfel „Ukraine — Südosteuropa", dessen Veranstaltungsort nach der Tradition des Formats nicht öffentlich vorher bekannt gemacht wurde.
Wer kam
Wie Korrespondenten von „Suspilne" und „Fakty ISTV" direkt auf dem Bahnsteig registrierten, kamen nach Kiew die Präsidentin von Moldau Maia Sandu, der Präsident von Rumänien Nicușor Dan, der Präsident von Serbien Aleksandar Vučić, der Premierminister von Kroatien Andrej Plenković, der Präsident von Albanien Bajram Begaj, der Premierminister von Slowenien Janez Janša, der Präsident von Montenegro Jakov Milatović sowie Außenminister von Nordmazedonien und anderen Ländern der Region. Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen gab als Erste ihre Ankunft bekannt — für sie ist dies bereits der 11. Besuch in der Ukraine seit Beginn des vollumfänglichen Krieges.
Was steht auf der Verhandlungsagenda
Die Tagesordnung umfasst drei Blöcke: regionale Sicherheit — insbesondere die Lage in der Schwarzmeerregion, den Weg der Gipfelteilnehmer zur europäischen Integration und die Vorbereitung der Ukraine auf den Winter. Wie Außenminister Andrij Sybiha auf X schrieb, stehen im Fokus „die Stärkung Europas, multilaterale politische Aktivitäten sowie Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit".
Von der Leyen kündigte konkreter an: Sie werde neue Initiativen zur Integration der Rüstungsindustrien ankündigen.
„Der Lauf der Ereignisse wendet sich zu unseren Gunsten. Ich werde neue Initiativen ankündigen, die auf die Integration unserer Rüstungsindustriezweige abzielen — dies wird es ermöglichen, mehr Waffen zu produzieren und dies schneller zu tun".
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, Post auf X
Parallel dazu eröffnete die EU am 14. Juli offiziell das sechste Cluster in den Verhandlungen über den Beitritt der Ukraine — ein Signal, dass die Ankunft der Führungspersonen vor dem Hintergrund realer Verhandlungsfortschritte und nicht nur zeremonieller Erklärungen stattfindet.
Der serbische Knoten
Die mehrdeutigste Figur des Gipfels ist Aleksandar Vučić. Er kam zum ersten Mal nach dem Gipfel von Odessa 2025 nach Kiew, wo er der einzige Teilnehmer war, der die abschließende Deklaration nicht unterzeichnete. Damals forderte die Deklaration auf, „Sanktionen gegen die Russische Föderation zu bewahren und zu verstärken" und bestätigte den Kurs der Ukraine auf die NATO-Mitgliedschaft.
Einen Tag zuvor, am 14. Juli, sagte Vučić in Paris gegenüber Journalisten der Agentur Tanjug: „Ich habe bereits vier solche Treffen besucht — in Odessa, Dubrovnik, Athen und Tirana. Aber das wird auch schwierig sein, angesichts des vorgeschlagenen Deklarationstextes und allem anderen". Das heißt, der serbische Präsident deutete selbst das Risiko eines Wiederholens des Odessaer Szenarios an, noch bevor er in den Zug nach Kiew stieg.
Um die Bedeutung zu verdeutlichen: Serbien ist seit 2012 ein Kandidat für die EU-Mitgliedschaft, balanciert aber immer noch zwischen europäischer Integration und der Bewahrung von Beziehungen zu Moskau. Die Unterzeichnung oder Ablehnung der Unterzeichnung einer Deklaration in Kiew ist keine protokollarische Kleinigkeit, sondern ein öffentlicher Indikator dafür, wo genau Belgrad dieses Gleichgewicht im Jahr 2026 zieht. Besonders, da Vučić selbst am 27. Juni seine Absicht erklärte, sein Amt aufzugeben und vorgezogene Wahlen einzuleiten.
Kontext des Formats
Der Gipfel „Ukraine — Südosteuropa" findet seit 2021 statt. Die vorherigen vier fanden in Tirana, Athen, Dubrovnik und Odessa statt. Kiew richtet ihn zum ersten Mal aus — und zum ersten Mal als Hauptstadt eines Landes mit laufenden Verhandlungen über den EU-Beitritt und einem aktiven sechsten Cluster.
Wenn Vučić dieses Mal die Deklaration unterzeichnet — wird dies nicht nur eine diplomatische Nachricht sein, sondern ein Signal für eine Verschiebung des Gleichgewichts in der serbischen Außenpolitik kurz vor den Wahlen. Wenn er sich wieder weigert — wird dies bestätigen, dass das Gipfelformat in der Zahl der Teilnehmer wächst, aber nicht in der Tiefe des Konsenses.