Tägliche Schweigeminute um 09:00: Rada verankert Ritual des Gedenkens – was sich ändert

Die Werchowna Rada hat den Gesetzentwurf Nr. 14144 verabschiedet: ein tägliches staatliches Signal um 09:00 Uhr sowie systematische Mitteilungen über die Medien und Warn- und Benachrichtigungsdienste. Wir erläutern, wie das funktionieren wird und warum das für die gesellschaftliche Resilienz wichtig ist.

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Ілюстративне фото: Вреховна Рада

Die Entscheidung in zwei Sätzen

Die Werchowna Rada hat den Gesetzentwurf Nr. 14144 insgesamt gebilligt, mit dem gesetzlich eine landesweite Schweigeminute täglich um 09:00 eingeführt wird. Die Sitzung wurde im Fernsehsender „Rada“ übertragen; für die Annahme stimmten 260 Abgeordnete.

Was das Gesetz vorsieht

Staatsorgane und Kommunalverwaltungen sind verpflichtet, die Bevölkerung über Beginn und Ende der Schweigeminute mittels Massenmedien und Warnsystemen des Zivilschutzes zu informieren. Im Gesetzestext ist außerdem die jährliche Gedenkaktion für die Opfer des Holodomor verankert: am vierten Samstag im November um 16:00 — eine Schweigeminute und die Aktion „Entzünde eine Kerze“.

„Die Einführung einer landesweiten Schweigeminute ist ein Element einer neuen Erinnerungskultur im Krieg, für das sich die Sanitäterin Iryna Tsybukh zu Lebzeiten eingesetzt hat.“

— Olena Kondratiuk, Vizepräsidentin der Werchowna Rada, eine der Autorinnen des Gesetzentwurfs

Wie das in der Praxis funktionieren wird

Die Bekanntmachung wird über zentrale und lokale Kanäle synchronisiert: Fernsehen, Radio, Websites der Behörden und Systeme zur Warnung des Zivilschutzes. In Kiew wird gemäß Beschluss ab September 2025 täglich der Chreschtschatyk während der landesweiten Schweigeminute gesperrt — ein Beispiel dafür, wie ein Ritual den städtischen Alltag und den Verkehr beeinflussen kann.

Warum das wichtig ist — und welche Risiken bestehen

Gedächtnisrituale erfüllen mehrere Funktionen: Sie konsolidieren die Gesellschaft, setzen ein sichtbares Zeichen der Anerkennung von Verlusten und helfen, den gemeinsamen Trauerprozess zu ordnen. Für Menschen, die durch den Krieg Angehörige verloren haben, kann dies eine wichtige Form moralischer Anerkennung sein.

Gleichzeitig besteht das Risiko, dass symbolische Akte konkrete Unterstützung ersetzen — materielle, psychologische, rechtliche. Die Wirkung des Rituals wird von den nächsten Schritten abhängen: wie klar die Umsetzung geplant ist, an wen die Hilfe gerichtet ist und wie der Staat Symbole mit konkreten Maßnahmen verbindet.

Was als Nächstes zu erwarten ist

Nun besteht die Aufgabe der Exekutive darin, Benachrichtigungsstandards, örtliche Verfahren und Mechanismen zur Unterstützung der Familien der Gefallenen zu erarbeiten. Eine Frage an die Gesellschaft bleibt: Wird die tägliche Schweigeminute ein wirksames Instrument nationaler Widerstandsfähigkeit oder bleibt sie ein formaler Ritus?

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