12. Juni unterzeichnete Präsident Selenskyj das Dekret Nr. 493/2026 zur Umsetzung der Entscheidung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats. Die Sanktionsliste umfasst 29 natürliche und 17 juristische Personen — Richter, Propagandamedien und deren Leiter.
Der Richter als Isolationsinstrument
Die zentrale Figur unter den natürlichen Personen ist der Moskauer Richter Timur Wachramjejew. Nach Angaben des Präsidentenbüros traf er systematisch politisch motivierte Entscheidungen gegen Zivilisten und Kämpfer von Freiwilligenverbänden.
«Er trug zur vollständigen Isolierung illegal festgehaltener ukrainischer Journalisten bei und war an der Inhaftierung von Viktoria Roschtschijna beteiligt, die in russischer Gefangenschaft zu Tode gefoltert wurde.»
Präsidentenbüro der Ukraine
Roschtschijna verschwand im August 2023 während ihrer Arbeit an einer Reportage auf besetztem Gebiet. Ihr Tod wurde am 10. Oktober 2024 bekannt — sie stand bereits auf Austschlisten. Ihr Leichnam mit Spuren von Folter wurde Russland erst im Februar 2025 an die Ukraine zurückgegeben.
Ein wichtiges Detail der Chronologie: Die Europäische Union verhängte bereits im November 2025 Sanktionen gegen Wachramjejew. Nach Angaben der EU ist der Richter verantwortlich für Folterungen und den Tod von 15 Gefangenen in russischen Untersuchungshaftanstalten. Kiew schloss sich dieser Liste sieben Monate später an.
Propaganda als juristische Person
Unter den juristischen Personen im Sanktionspaket sind Publikationen, die in der Ukraine lange Zeit als Sprachrohre des Kremls gelten:
- «Gaseta.Ru» und ihre Leiter
- «Lenta.Ru» und ihre Leiter
- Journalistenverband Russlands zusammen mit Strukturen in zeitweise besetzten Gebieten
Das Präsidentenbüro vermerkt, dass alle von ihnen «an der systematischen Verbreitung von Lügen und russischer Propaganda beteiligt» sind. Auf die Sanktionsliste gelangte auch der bekannte Fernsehmoderator Wladimir Solowjow.
Die Beschränkungen sehen eine Sperrung von Vermögenswerten, ein Einreiseverbot in die Ukraine, die Annullierung von Lizenzen und andere wirtschaftliche Sanktionen vor.
Was ändert sich dadurch
Ukrainische Sanktionen haben überwiegend einen symbolischen Charakter: Vermögenswerte der unter Sanktionen stehenden Personen gibt es in der Ukraine praktisch nicht, und echtes Eigentum befindet sich in Jurisdiktionen, in denen diese Entscheidungen nicht umgesetzt werden. Das Präsidentenbüro betont jedoch, dass die Verhängung von Beschränkungen gegen Kriegsverbrecher und Propagandisten eine «vorläufige Strafe» darstellen könnte, bis ein internationales Tribunal für Verbrechen des Putin-Regimes eingerichtet wird.
Die Frage ist eine andere: Wenn Wachramjejew nach EU-Angaben am Tod von 15 Menschen in Untersuchungshaftanstalten beteiligt ist und Kiew dies wusste — warum verstrichen sieben Monate zwischen den EU-Sanktionen und den ukrainischen? Wenn das Tribunal tatsächlich arbeitet, werden diese Listen zur Beweisgrundlage — oder bleiben sie eine Absichtserklärung.