Am 3. Juli treffen sich in Warschau die Außenminister der Ukraine und Polens – Andrij Sybiha und Radoslaw Sikorski. Das Treffen wurde von beiden Seiten bestätigt: vom Sprecher des polnischen Außenministeriums Maciej Wewior und vom Sprecher des ukrainischen Außenministeriums Heorhij Tychyj.
Formal handelt es sich um Arbeitsverhandlungen über bilaterale Beziehungen und die Situation an der Front. Doch hinter den Kulissen geht es um eine Krise, die sich seit Mai hinzieht.
Wie es zur Krise kam
Am 26. Mai unterzeichnete Zelensky einen Erlass über die Verleihung des Namens „Im Namen der Helden der UPA" an das Separate Zentrum für Spezialoperationen „Nord". In dem Dokument wird dies mit der „Wiederherstellung historischer Traditionen der nationalen Streitkräfte" begründet. In Polen folgte eine Welle der Kritik.
Der polnische Präsident Karol Nawrocki zog den Weißen-Adler-Orden – die höchste Staatsdekoration des Landes – von Zelensky zurück. Zelensky schickte den Orden per Post zurück. Ehemalige Präsidenten Kutschma, Juschtschenko und Poroschenko lehnten Auszeichnungen ebenfalls ab – in Solidarität mit Zelenskys Entscheidung.
„Polen hat die ukrainische Seite wiederholt auf die besondere Bedeutung dieser Frage hingewiesen. Die Verleihung des Namens der Helden der UPA an eine Einheit geht weit über interne Angelegenheiten der Ukraine hinaus."
— Karol Nawrocki, Präsident von Polen
Bezeichnenderweise erklärte sogar Premierminister Donald Tusk, der traditionell pro-ukrainisch ist, dass „die ukrainische Seite dieses Problem selbst verursacht hat und nun nach einer Lösung suchen muss" – und fügte hinzu, dass er Nawrockis Reaktion „vollkommen versteht". Minister Sikorski nannte den Rückzug des Ordens öffentlich „unangemessen", räumte aber ein, dass die polnische Seite „Gründe hat, unzufrieden zu sein".
Was Sybiha nach Warschau mitbringt
Am 1. Juli verabschiedete die Werchowna Rada ein Gesetz über das Nationale Pantheon – ein Verzeichnis herausragender Persönlichkeiten, die die Entwicklung der Ukraine geprägt haben. Denselben Tag berichtete die polnische Publikation Wirtualna Polska unter Berufung auf Quellen in diplomatischen Kreisen: Sybiha wird Warschau mit einem konkreten Vorschlag besuchen.
Nach Angaben der Publikation ist Kyjiw bereit, General Mark Bezruchko ins Pantheon aufzunehmen – einen Kommandeur der UNR-Armee, der 1920 an der Kiewer Operation teilnahm und zusammen mit polnischen Truppen an der Verteidigung von Zamość gegen die Bolschewiken beteiligt war. Heute ist sein Name ein Platz im Warschauer Stadtteil Wola und ein Kreuzung in Breslau.
Die Logik des Vorschlags: Bezruchko ist eine gemeinsame Figur, die von beiden Nationen verehrt wird, und seine Präsenz im Pantheon würde ein diplomatisches Signal für Kyjiws Bereitschaft zum Dialog über schmerzhafte historische Fragen darstellen.
Warum Polen nicht überzeugt ist
Quellen von Wirtualna Polska in polnischen diplomatischen Kreisen charakterisieren den Vorschlag zu Bezruchko als „wünschenswert" – aber einen, der keine „echten qualitativen Veränderungen" garantiert. Die Befürchtungen sind konkret: dass später trotzdem Figuren ins Pantheon aufgenommen werden, die mit der OUN-UPA verbunden sind – insbesondere Kommandeure, die in Polen für die Wolhyniische Tragödie verantwortlich gemacht werden. Polnische Europaabgeordnete haben dieses Thema bereits auf die Ebene des Europäischen Parlaments gebracht.
- Das Pantheon-Gesetz enthält keine Liste von Personen – Entscheidungen über die Aufnahme werden separat getroffen
- Es gibt keinen Mechanismus zur Abstimmung mit ausländischen Partnern im Gesetz
- Die polnische Seite möchte Garantien für die zukünftige Zusammensetzung des Pantheons – nicht nur symbolische Gesten
Sybiha reist von Japan nach Warschau – ein Stopp auf dem Weg nach Hause, was bereits für sich genommen die Priorität des Treffens verdeutlicht. Doch das diplomatische Gewicht des Treffens wird nicht davon abhängen, welcher Name genannt wird, sondern davon, ob sich Kyjiw auf irgendeine Form von Konsultationen mit Warschau über die zukünftige Zusammensetzung des Pantheons einigen wird.
Wenn Polen nur eine Geste erhält – den Namen eines Generals ohne einen Mechanismus zur Beeinflussung künftiger Entscheidungen – bleibt die Frage offen, ob es möglich sein wird, die Eskalation bis zu den polnischen Präsidentschaftswahlen 2027 zu stoppen.