Als das Suspilne am 13. Juni über ein mögliches Treffen zwischen Selenskyj und Trump beim G7-Gipfel im kanadischen Banff berichtete, erwies sich das Wort „möglicherweise" als genauer als jede Prognose. Das Treffen fand nicht statt — und nicht nur deshalb, weil es inoffiziell war.
Wie sich „möglicherweise" in „nein" verwandelte
Selenskyj kam am 17. Juni in Banff an — am letzten Tag des Gipfels. Zu diesem Zeitpunkt hatte Trump Kanada bereits verlassen: Das Weiße Haus erklärte die vorzeitige Abreise des US-Präsidenten mit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten — wenige Stunden vor seiner Abreise forderte der US-Präsident die Bewohner Teherans auf, sich „sofort zu evakuieren". Das Treffen, das in Hinterzimmern als zentral erwartet wurde, fand überhaupt nicht statt.
„Weil das, was im Nahen Osten passiert, Präsident Trump verlässt den Gipfel heute Abend"
Sprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt
Selenskyj führte dennoch Verhandlungen — mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney, der ein neues Hilfspaket für die Ukraine im Wert von 2 Milliarden kanadischen Dollar ankündigte und die Sanktionen gegen Russland verschärfte. Danach kehrte er vorzeitig nach Kiew zurück: Nachts erlebte die Stadt einen massiven Raketenangiff.
Was die G7 zur Ukraine nicht schrieb
Die Führungspersonen der „Großen Sieben" unterzeichneten sechs gemeinsame Erklärungen. Ein Dokument zur Ukraine war nicht dabei. Laut Premierminister Carney wurde die Unterstützung Kiews „mündlich von allen Führungspersonen vereinbart" — und in seine abschließende Erklärung als Vorsitzender aufgenommen, nicht in die gemeinsame Deklaration. Dies sind rechtlich und symbolisch unterschiedliche Dinge.
Eine separate Frage blieb die Preisdeckelung für russisches Öl. Nach Angaben von Reuters drängten europäische Führungspersonen auf eine Senkung von 60 auf 45 Dollar pro Barrel — um die Kriegsfinanzierung zu begrenzen. Die USA unterstützten diese Position nicht.
Rubios Druck als Kontext
Der Gipfel fand vor dem Hintergrund offenen Drucks von amerikanischer Seite statt. Außenminister Marco Rubio erklärte vor dem Treffen, dass der Krieg in der Ukraine „kein amerikanischer Krieg" sei, und fügte hinzu: Waffen für die ukrainischen Streitkräfte könnten umgeleitet werden, wenn die amerikanische Armee ihre eigenen Vorräte auffüllen muss. Der Atlantik-Rat nannte dies ein „verpasstes Treffen" und erinnerte daran: Es wird keinen echten Frieden geben, solange Washington den Aggressor „mit Blumensträußen bewirtet".
- Ohne Treffen Trump–Selenskyj — zum ersten Mal seit Beginn der aktiven Verhandlungsphase
- Ohne gemeinsame G7-Erklärung zur Ukraine — die Unterstützung ist nur in der Erklärung des Vorsitzenden festgehalten
- Ohne Entscheidung zur Preisdeckelung für Öl — ein Schlüsselsanktionshebel bleibt ungelöst
- Mit Drohung bezüglich Waffen von Rubio — öffentlich, vor Abschluss des Gipfels
Was nun folgt
Formal ist kein Scheitern eingetreten: Selenskyj erhielt kanadische Gelder und Sanktionen, die mündliche Unterstützung der G7 ist dokumentiert. Aber der diplomatische Subtext ist offensichtlich: Trump fuhr ab, bevor der ukrainische Präsident ankam, und das einzige Dokument, in dem die Ukraine erwähnt wird, wurde von einer Person unterzeichnet.
Die Frage ist nicht, ob sich Trump und Selenskyj beim nächsten Mal treffen werden — sondern ob dieses Treffen stattfindet, bevor die USA Teile der Waffen umleiten, von denen der Außenminister bereits offen spricht.