Das Pentagon bestätigte den Rückzug von 5000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland — in den nächsten sechs Monaten bis zu einem Jahr. Trump fügte hinzu, dass die Kürzungen „viel größer" sein werden, nannte aber weder Zahlen noch Zeitrahmen. Laut Euronews unter Berufung auf NATO-Quellen stand hinter der Entscheidung keine durchdachte Strategie — nur ein persönlicher Streit des Präsidenten mit Kanzler Friedrich Merz über Kritik an der amerikanischen Operation gegen den Iran.
Drei Szenarien — vom schlimmsten bis zum realistischsten
Oberst der US-Luftwaffe im Ruhestand Cedric Leighton, den LIGA.net um eine Bewertung der Situation bat, verbarg seine Skepsis gegenüber einer „vollständigen Kehrtwende" Washingtons nicht.
„Das beste Szenario für die Ukraine wäre, wenn Trump seinen Streit mit Europa vergisst und seinen Kurs ändert. Eine vollständige Kehrtwende ist vielleicht unwahrscheinlich, aber europäische und ukrainische Führungspersonen können die USA immer noch positiv beeinflussen und sollten dies weiterhin tun."
Cedric Leighton, Oberst der US-Luftwaffe im Ruhestand
Leighton merkte auch an, dass eine Kürzung um einige tausend Soldaten die militärische Balance nicht wesentlich verändert — aber ein symbolisches Risiko birgt: Moskau könnte dies als Signal amerikanischer Schwäche interpretieren, auch wenn dieser Schluss fehlerhaft wäre. Nach seinen Worten „machen Gegner häufig ähnliche Fehler bei der Analyse von Washingtons Handlungen".
Bezüglich der NATO-Bedrohung im Osten bewahrt Leighton gemäßigten Optimismus: Russland befindet sich derzeit aufgrund der Rückschläge in der Ukraine unter erheblichem wirtschaftlichem und militärischem Druck, was den Appetit auf neue Abenteuer — insbesondere im Gebiet des Suwalki-Korridors zwischen Litauen und Polen — zügelt.
Es gibt ein Gesetz. Aber mit Bedingungen
Der amerikanische Kongress versuchte sich vorsorglich abzusichern. Im Dezember 2025 fixierten die Gesetzgeber im Verteidigungshaushalt NDAA-2026: Das US-Kontingent in Europa darf nicht unter 76 000 Personen für mehr als 45 Tage ohne Konsultationen mit NATO-Partnern und unabhängiger Bewertung der Folgen sinken. Die Abstimmung fiel mit 312 zu 112 aus — eine seltene überparteiliche Einigung.
Allerdings ist diese Norm keine absolute Sperrung — sie erschwert das Verfahren, blockiert aber nicht vollständig den Abzug. Derzeit sind zwischen 80 000 und 100 000 amerikanische Soldaten in Europa stationiert (die genaue Zahl variiert aufgrund ständiger Rotationen), sodass der Rückzug von 5000 das Kontingent formal in der „sicheren" Zone hält. NATO-Verbündete bereiten sich laut Bloomberg bereits auf neue Ankündigungen vor — insbesondere bezüglich Italiens.
Das Pentagon stornierte auch unerwartet die Verlegung von 4000 Soldaten nach Polen — ein weiterer Schritt, mit dem Warschau nicht gerechnet hatte.
Was das konkret bedeutet
- Ramstein in Frage: In Deutschland sind etwa 36 000 amerikanische Soldaten stationiert, einschließlich wichtiger Kommandozentralen und einer medizinischen Basis. Der Abzug selbst eines Teils ändert die Logistik der Ukraine-Unterstützung.
- Langstreckenraketen: Bloomberg berichtet, dass die Trump-Administration Pläne zur Stationierung amerikanischer Langstreckensysteme in Deutschland überprüfen könnte, die unter Biden vereinbart wurden.
- NATO-Übungen: Diplomaten prognostizieren, dass die USA ihre Teilnahme an gemeinsamen NATO-Übungen kürzen werden.
Der Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte, General Micael Claesson, gab gegenüber AP zu, dass „jede Änderung der amerikanischen Präsenz" die gesamte Sicherheitsdynamik beeinflusst — fügte aber hinzu, dass Trumps Aussagen so wahrgenommen werden, „als würden die Amerikaner gehen, aber das ist nicht der Fall".
Falls Trump tatsächlich neue Kürzungen ankündigt — in Italien oder anderswo — vor den Zwischenwahlen im Kongress 2026, wird es nicht mehr um Symbolik gehen: Europa müsste dann entscheiden, ob es in der Lage ist, die Lücke in der Abschreckungsarchitektur aus eigener Kraft zu schließen — und in welchem Zeitrahmen.