Mobiler Bestand statt zentraler Stromerzeugung: Kabinett formalisiert Reserve von Energieausrüstung für Blackouts

Die Regierung hat ein Verfahren zur Bildung und Nutzung einer dezentralisierten Reserve von Kraftwerken, Kesselanlagen und Transformatoren genehmigt, die aus dem Staatshaushalt, lokalen Haushalten und internationaler Hilfe finanziert wird. Der Kontrollmechanismus für die Mittelverteilung ist jedoch nicht öffentlich beschrieben.

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Фото: Юлія Свириденко / Telegram

Der Winter 2025–2026 hinterließ die Ukraine ohne bis zu 55 GW Stromerzeugung aus der Vorkriegszeit: Stand 2025 waren nur etwa 17,5 GW in Betrieb. Vor diesem Hintergrund genehmigte das Kabinett am 15. Mai die Ordnung zur Bildung und Nutzung der Nationalen Reserve für autonome Stromerzeugung.

Was ist das und wie unterscheidet es sich von den „Punkten der Unerschütterlichkeit"?

Die Reserve ist nicht ein Netzwerk stationärer Schutzräume mit Ladestationen, sondern ein dezentralisierter Bestand an mobiler Ausrüstung: Stromgeneratoren, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Heizwerke, Transformatoren. Die Logik ist, die Geräte dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden, anstatt zu warten, bis die Menschen einen Wärmepunkt erreichen.

„Es geht um einen dezentralisierten Bestand an mobilen Stromgeneratoren, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Heizwerken, Transformatoren und anderen Ausrüstungen zur operativen Versorgung kritischer Infrastruktur mit Strom, Wärme und Wasser".

Julia Swyrydenko, Premierministerin, Telegram-Kanal nach der Sitzung des Koordinierungszentrums

Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sind grundsätzlich wichtig: Sie können im sogenannten Island Mode arbeiten – autonom, vollständig vom Gesamtnetz abgekoppelt. Das heißt, dass eine kritische Infrastruktureinrichtung auch bei einem vollständigen Zusammenbruch des regionalen Energiesystems funktioniert.

Woher das Geld und wer trägt Verantwortung

Nach Angaben von Swyrydenko wird die Bildung der Reserve aus drei Quellen finanziert:

  • Staatshaushalt;
  • lokale Haushalte;
  • internationale Unterstützung.

Die Koordination wurde bereits im Krisenmodus erprobt: Bei den letzten Energienotfällen analysierten das Ministerium für Entwicklung, das Ministerium für Energie, das Innenministerium und der Dienst für Notfallsituationen täglich den Bedarf an Generatoren pro Region. Die neue Ordnung soll diesen Prozess formalisieren, bevor die nächste Heizperiode beginnt – also bis zum Herbst 2025.

Warum dies ein Wechsel der Strategie ist und nicht einfach nur ein weiterer Plan

Russland hat seine Angriffstaktik geändert: Während in the ersten Kriegsjahr die Angriffe auf große Stromerzeugungsanlagen abzielten, verlagerte sich der Schwerpunkt danach auf Umspannwerke, Wärmeerzeugung und Hochspannungsleitungen. Die Wiederherstellung großer Wärmekraftwerke wird unrentabel – zu teuer und zu leicht wieder zu zerstören.

Stand November 2025 waren im Wärmeversorgungssektor bereits 182 Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Betrieb (83 – vollständig in Betrieb) mit einer Gesamtleistung von 147,3 MW sowie 239 modulare Heizwerke mit einer Leistung von etwa 635 MW. Durch internationale Hilfsprogramme erhielten Gemeinden über 90 modulare Anlagen. Die neue Reserve soll systematisieren, was bislang chaotisch angesammelt wurde.

Ein vereinfachter Mechanismus für den Bau und die Modernisierung von Energieanlagen – „Entwerfen – Bauen", bei dem die Genehmigungsdokumentation erst nach Abschluss der Arbeiten ausgefertigt werden kann – gilt seit Ende 2023 und bleibt gültig.

Was ungeklärt blieb

Die Ordnung wurde genehmigt, aber es wurde öffentlich nicht bekannt gegeben, wer genau entscheidet, welche Gemeinde die Ausrüstung zuerst erhält, wenn mehrere Regionen gleichzeitig angegriffen werden. Die bisherige Erfahrung zeigte: Genau beim Ressourcentausch zwischen Regionen entstehen die schärfsten Konflikte zwischen dem Zentrum und der lokalen Behördenzeit.

Wenn die Regierung vor Beginn der Heizperiode 2025/2026 klare Prioritätskriterien veröffentlicht – wer mobile Stromerzeugung zuerst erhält und nach welchem Algorithmus – wird die Reserve zum Instrument. Wenn nicht, riskiert sie, sich in ein Lager zu verwandeln, das situativ verwaltet wird.

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