In der Nacht zum 5. April haben die ukrainischen Verteidigungskräfte eine Ölraffinerie «Lukoil-Kstowo» in der Stadt Kstowo in der Oblast Nischni Nowgorod getroffen — etwa 800 km von der Staatsgrenze der Ukraine und mehr als 1300 km von aktiven Kampfhandlungen entfernt. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte bestätigte die Operation offiziell. Der Angriff löste einen großflächigen Brand aus.
Es ist nicht der erste Angriff auf die Raffinerie: Allein im Jahr 2025 war sie bereits mindestens dreimal Ziel, unter anderem im Oktober und Anfang November. Damals griff das Feuer auf das an die Raffinerie angrenzende Gelände über, auf dem Anlagen von «SIBUR-Kstowo» liegen.
Wer den Schlag verübt hat
Wie UNN unter Berufung auf den Kommandeur der Kräfte für unbemannte Systeme Robert «Madyar» Brovdi berichtet, waren an der Operation Einheiten des 1. separaten Zentrums der SBS, das 9. Bataillon «Kairos» der 414. Brigade «Ptakhy Madyara» und die 413. Einheit «Reid» beteiligt. Parallel dazu wurden in derselben Nacht das Ölterminal von Transneft in Primorsk und ein Lager der Militärluftfahrt auf der besetzten Krim angegriffen.
Was Kstowo ist und warum die Raffinerie Ziel ist
Die 1958 in Betrieb genommene und 2001 vollständig von Lukoil übernommene Anlage verarbeitet bis zu 17 Mio. Tonnen Rohöl pro Jahr — eine der vier größten Raffinerien Russlands. Sie deckt rund 30 % des Benzinverbrauchs der Moskauer Region und liefert Kraftstoff direkt für militärische Bedürfnisse. Beschädigungen der PENEX-Isomerisierungsanlage — eines Schlüssels zur Produktion von hochoktanigem Benzin — wurden bei früheren Angriffen festgestellt.
Diplomatischer Kontext
Der Schlag erfolgte einen Tag, nachdem der Leiter des Präsidialamts Kyrylo Budanov in einem Interview mit Bloomberg am 4. April Druck seitens der Verbündeten eingeräumt hatte.
„Wir erhalten gewisse Signale darüber“
— Kyrylo Budanov, Bloomberg, 4. April, über Bitten der Partner, die Angriffe auf die Ölinfrastruktur Russlands zu stoppen
Die Anfragen stehen im Zusammenhang mit dem starken Anstieg der weltweiten Kraftstoffpreise vor dem Hintergrund einer US-israelischen Operation gegen den Iran. Budanov machte nicht deutlich, welches Land konkret um diese Bitte gebeten hatte.
Kiew sagte den Angriff jedoch nicht ab — und kommentierte auch nicht den Zusammenhang zwischen dem diplomatischen Druck und der Entscheidung, die Kampagne fortzusetzen.
Bestätigung der Schäden
Daten der Satellitenüberwachung NASA FIRMS verzeichneten eine großflächige Brandstelle über einen bedeutenden Bereich der Industriezone. Die russische Seite beschrieb den Vorfall wie üblich als „Zerstörung feindlicher Drohnen“, doch Aussagen von Anwohnern und Satellitenbilder deuten auf das Gegenteil hin — der Angriff traf sein Ziel. Eine unabhängige Verifizierung konkreter Schäden an den Produktionsanlagen liegt bislang nicht vor.
- Kapazität der Raffinerie: 17 Mio. Tonnen Rohöl pro Jahr
- Anteil am Benzinverbrauch der Moskauer Region: ~30%
- Entfernung von der Frontlinie: über 1300 km
- Anzahl der Angriffe im Jahr 2025: mindestens vier (einschließlich dieses)
Sollten die Verbündeten formell die Forderung stellen, die Angriffe auf die Ölinfrastruktur zu stoppen, stünde Kiew vor der Wahl zwischen dem Druck auf Russlands Treibstofflogistik und dem Erhalt der Koalitionszusammenhalt. Die Antwort auf diese Frage vor den Verhandlungen in Er-Riad wird ein Signal für die tatsächliche Handlungsfreiheit der ukrainischen Streitkräfte im tiefen Hinterland sein.