Was passiert ist
In nächtlichen Angriffen am 9. Februar haben russische Kräfte eine Hochspannungsumspannstation in Нововолинськ (Волинська область) und Eisenbahninfrastruktur nahe der Grenze getroffen. Berichten zufolge blieben aufgrund der Beschädigung der Umspannstation über 80 000 Haushalte ohne Strom.
Neben Wolhynien wurden Schläge in den Oblasten Чернігівська, Сумська, Харківська, Запорізька und Дніпропетровська registriert. Bei den Angriffen gibt es Tote und Verletzte: In Новгород‑Сіверський wurde ein 71‑jähriger Mann getötet, in den Oblasten Запорізька und Дніпропетровська wurden Zivilisten verletzt, in Одеса — eine Person getötet und zwei verletzt, in Богодухів — eine Frau und ein Kind getötet.
Offizielle Quellen und operative Details
„Durch den neuen Schlag gibt es erhebliche Schäden — die Umspannstation ist außer Betrieb“
— Борис Карпус, Нововолинський міський голова
„Beschädigt wurden eine Lokomotive und die Oberleitung; die Züge Суми — Київ und Суми — Харків können mit Verspätungen verkehren“
— Укрзалізниця, оперативне повідомлення
„In der Nacht setzte der Feind 11 ballistische Raketen Iskander‑M und etwa 149 Drohnen ein; unsere Einheiten haben 116 Drohnen abgeschossen oder gestört“
— Повітряні сили ЗСУ, зведення
Wie sich das auf Menschen und Verkehr auswirkt
Der Ausfall der Umspannstation ist nicht nur ein Problem der Beleuchtung in Wohnungen. Die Energieinfrastruktur versorgt Krankenhäuser, kommunale Dienste, Wasserversorgungssysteme und Betriebe, die den Nachschub unterstützen. Beschädigungen der Oberleitung und von Lokomotiven wirken sich direkt auf den Verkehr aus: Der Betrieb regionaler und S-Bahn‑Verbindungen kann beeinträchtigt sein, und Güterverkehre können sich verzögern.
Praktisch bedeutet das längere Verzögerungen bei der Lieferung humanitärer Güter, Ersatzteilen, Treibstoff und Evakuierungen. In Kriegszeiten können schon wenige Stunden Stillstand an einem Knotenpunkt die operative Logistik an der Front erschweren.
Warum der Feind solche Ziele wählt
Die Zielwahl Energie und Verkehr ist eine systematische Taktik, um die Lebensfähigkeit des Hinterlands zu schwächen und zusätzliche Probleme für das Militär zu schaffen. Infrastrukturanalysten weisen darauf hin, dass die Zerstörung von Umspannstationen und Oberleitungen einen doppelten Schlag darstellt: Sie verschlechtert die Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung und erschwert die Nachschubversorgung an der Front.
Was bereits unternommen wurde und was zu erwarten ist
Elektriker und Reparaturteams arbeiten an der Wiederherstellung der Stromversorgung, und Укрзалізниця nimmt operative Änderungen an Routen vor sowie ersetzt Züge durch Busshuttle dort, wo es sicher ist. Die Luftstreitkräfte berichten über einen hohen Anteil abgeschossener/gestörter Drohnen, dennoch wurden Einschläge an mehreren Standorten festgestellt.
Kurzfristig ist zu erwarten: Stromausfälle für Teile der Bevölkerung, Verzögerungen im Regional‑ und Güterverkehr, erhöhte Belastung der Rettungsdienste. Mittelfristig besteht der Bedarf, Reparaturen zu beschleunigen, die Luftabwehr wichtiger Objekte zu verstärken und alternative/logistische Reserve‑Routen zu sichern.
Fazit
Angriffe auf Energie- und Eisenbahninfrastruktur sind keine Zufälligkeit, sondern Teil einer Strategie mit konkreten Folgen für Hinterland und Front. Es ist erkennbar, dass systematische Anstrengungen der Luftabwehr die Wirksamkeit der Angriffe mindern, zugleich bleibt jedoch die Frage der schnellen Wiederherstellung der Infrastruktur und der Diversifizierung von Versorgungswegen.
Ob die verfügbaren Ressourcen und das Tempo der Wiederherstellung ausreichen, um die Folgen wiederholter Angriffe zu minimieren, ist die zentrale Frage der kommenden Tage.