Als Zelenskyj ein offenes Schreiben an Putin mit dem Vorschlag direkter Verhandlungen veröffentlichte, antwortete das diplomatische Europa mit seinem eigenen Signal. Nicht über Kyjiw und nicht über Washington — über Mexiko.
Was Baerbock sagte und warum
Die Außenministerin Deutschlands Annalena Baerbock wandte sich während eines Besuchs in Mexiko mit einem Appell an Putin, Verhandlungen aufzunehmen. Das Wichtigste in ihrer Rede war jedoch nicht dieser Appell — sondern die Bedingung, die sie gleich dahinter stellte.
«Es geht um die Sicherheit des europäischen Kontinents, um mögliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine und um ihren Weg zur Europäischen Union. Diese Fragen können nicht ohne die Europäer gelöst werden».
Annalena Baerbock, Außenministerin Deutschlands
Dies ist eine direkte Antwort auf das Format, das sich faktisch zuvor entwickelt hatte: Verhandlungen zwischen den USA und Russland ohne Beteiligung der EU. Berlin macht deutlich, dass jede Vereinbarung, die über die Köpfe der Europäer hinweg unterzeichnet wird, nicht auf deren Unterstützung zählen kann.
Drei Themen, ohne die Berlin einen Deal nicht anerkennt
Baerbock skizzierte einen konkreten Cluster von Fragen, die nach Berlins Ansicht nicht ohne Brüssel und die Hauptstädte der EU gelöst werden können:
- Sicherheitsgarantien für die Ukraine — zuvor bestand die Ministerin darauf, dass diese «sehr nahe an einer NATO-Mitgliedschaft» liegen müssen und dass eine Verletzung dieser Garantien einen Angriff auf die Ukraine bedeuten würde;
- Ukraines Weg zur EU — eine Frage, die rechtlich in die Zuständigkeit der Union fällt, nicht in bilaterale Vereinbarungen zwischen Washington und Moskau;
- Die Sicherheitsarchitektur des Kontinents — etwas, das nicht Gegenstand einer Vereinbarung zwischen zwei Ländern sein kann, die keine EU-Mitglieder sind.
Wo die Erklärung vom Mechanismus abweicht
Der Aufruf zum «Verhandlungstisch» wird nicht von einem konkreten Format begleitet: weder Datum, noch Ort, noch eine Liste der Teilnehmer wurden von Baerbock genannt. Früher beschrieb sie in Kommentaren zu den Genfer Konsultationen bereits die Tatsache, dass Fragen zur NATO und zu Europa ausgeschlossen wurden aus dem amerikanischen Entwurf der Tagesordnung — das heißt, sie verteidigte faktisch das Recht auf Partizipation im Prozess, nicht ein konkretes Ergebnis.
Der Kreml reagierte auf die Erklärung aus Mexiko nicht. Nach der Veröffentlichung des Schreibens von Zelenskyj vermerkte Kremls Sprecher Dmitri Peskow nur, dass Putin damit vertraut gemacht würde — und forderte Zelenskyj auf, «jederzeit nach Moskau» zu kommen.
Kontext: warum Mexiko, warum jetzt
Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Lateinamerika bleibt eine Region, in der Russland traditionell nach neutralen Vermittlern sucht. Baerbocks Treffen mit ihrer mexikanischen Kollegin Alicia Bárcena ist ein Signal an diese Region: Berlin führt aktive Diplomatie nicht nur in Brüssel und Washington.
Parallel einigte sich der Europäische Rat auf ein Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro für 2026–2027 — ein finanzielles Argument, das die Ansprüche der EU auf einen Platz im Verhandlungsprozess untermauert.
Sollten sich die USA und Russland dennoch auf ein Format direkter Konsultationen einigen — ohne einen festgelegten Platz für Europa am Tisch — wird Berlin dann die Mittel haben, um den Inhalt der Vereinbarung zu beeinflussen, anstatt nur ihre Umsetzung zu blockieren?