Vilnius evakuiert Parlament und Präsident – jetzt reist von der Leyen ins Baltikum

Im Laufe eines Monats wurden über Estland, Lettland und Litauen mindestens 15 Drohnenzwischenfälle registriert. Die EU antwortet nicht mit Sanktionen — sondern mit einem Besuch.

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Урсула фон дер Ляєн (Фото: OLIVIER MATTHYS / EPA)

Am 26. Mai wird die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen nach Vilnius reisen — zusammen mit dem EU-Kommissar für Verteidigung Andrius Kubilius. Politico beruft sich auf drei anonyme Beamte, die mit den Einzelheiten des Besuchs vertraut sind. Eine offizielle Bestätigung aus Brüssel liegt bislang nicht vor.

Der Grund ist nicht diplomatisch, sondern buchstäblich: Am 20. Mai kündigte Litauen erstmals in seiner Geschichte die rote Luftschutzalarm-Stufe an. Der Flughafen Vilnius wurde geschlossen, das Parlament und Präsident Gitanas Nausėda wurden in Schutzräume evakuiert. Einen Tag zuvor schoss ein NATO-F-16 zum ersten Mal eine Drohne über Estland ab — gesteuert von einem rumänischen Piloten der Mission Baltic Air Policing.

24 Vorfälle — und keine klare Urheberschaft

Nach Berechnungen von Novaya Gazeta Europe wurden seit Anfang 2025 Drohnen über den baltischen Ländern mindestens 24-mal registriert: 12 Vorfälle in Lettland, sieben in Litauen, fünf in Estland. Nur dieses Jahr bereits 15 Fälle gegenüber neun im gesamten Jahr 2024. Trümmerteile wurden an Stränden, im Wasser und in Naturschutzgebieten gefunden.

Die Herkunft der Geräte bleibt Gegenstand von Kontroversen. Einige wurden als ukrainisch identifiziert — solche, die russische Ziele treffen sollten und wegen russischer elektronischer Kampfmittel vom Kurs abkamen. Kiew hat diese Version mehrfach bestätigt und sich bei den Nachbarn entschuldigt. Einige Drohnen wurden direkt Russland oder Belarus zugeordnet.

«Russland und Belarus tragen die direkte Verantwortung für die Umleitung von Drohnen. Sie gefährden Menschen an der östlichen Flanke der NATO».

Ursula von der Leyen, Beitrag in den sozialen Medien X, Mai 2025

Analytiker des Atlantic Council erkennen darin eine besondere Logik Moskaus: nicht einfach nur Drohnen, sondern eine Informationsoperation — die baltischen Gesellschaften dazu bringen, sich zu fragen, ob die Unterstützung der Ukraine den Krieg in ihren eigenen Himmel bringt, und Spannungen zwischen Verbündeten schüren.

Was in Vilnius diskutiert wird

  • Gemeinsame baltische Reaktion auf Drohnenbedrohungen — Koordination statt separater nationaler Protokolle
  • Finanzierung von Luftabwehrsystemen durch Mechanismen der Europäischen Kommission
  • Position zur Verantwortlichkeit: Russland und Belarus oder Ukraine — und wie dies innerhalb der EU kommuniziert wird

Am 22. Mai unterzeichneten Außenminister von acht Ländern — Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden — eine gemeinsame Erklärung, die russische und belarussische Anschuldigungen zurückweist und die Androhung von Gewalt gegen die Region verurteilt. Das Dokument liegt vor, ein Durchsetzungsmechanismus jedoch nicht.

Sollte Brüssel nach dem Treffen in Vilnius nur eine Solidaritätserklärung ohne konkretes Finanzpaket für die baltische Luftabwehr anbieten, wird der nächste Drohnenvorfall nicht nur die Sicherheit der Region in Frage stellen, sondern auch die Fähigkeit der EU, anders zu handeln als nur in Worten.

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Im Februar 2022 beurkundete der Leiter einer Registrierungsstelle einer Stadtverwaltung in der Region Ternopil das Eigentumsrecht an nicht existierenden Bauobjekten – dadurch hätte Land eines staatlichen Rüstungsunternehmens im Wert von 15,7 Millionen Hrywnja fast in private Strukturen übergehen können. Die Ermittlungen dauerten Jahre an, und das Schema erwies sich als einfach: gefälschte Dokumente plus eine Unterschrift des Registrars.

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