Was passiert
Nach Angaben von Reuters plant die Europäische Kommission, voraussichtlich am 15. April einen Gesetzesvorschlag für ein dauerhaftes Importverbot von russischem Öl vorzulegen — drei Tage nach den Parlamentswahlen in Ungarn. In dem Dokument ist ein stufenweiser Stopp der Importe vorgesehen, der auch im Falle künftiger politischer Veränderungen oder Friedensabkommen gelten soll.
Der EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hatte bereits erläutert, dass der Vorschlag vorsieht, den Ausstieg aus russischem Öl spätestens bis Ende 2027 abzuschließen. Ende 2025 hatte sich der Anteil russischen Öls an den Einfuhren der EU aufgrund des Verbots von Seelieferungen auf etwa 1% reduziert.
Warum gerade nach den Wahlen in Ungarn
Die Initiatoren rechnen damit, den politischen Effekt auf den Wahlzyklus zu minimieren: Die Entscheidung soll nach der Abstimmung bekanntgegeben werden, damit sie nicht Gegenstand vorwahlstrategischer Mobilisierung in Ungarn wird. Das ist ein rationaler Schritt, um das Risiko zu verringern, dass nationale Regierungen Energie als Instrument der Innenpolitik einsetzen.
Gleichzeitig untermauert die Kommission dies mit einer verstärkten rechtlichen Grundlage: Das Gesetz kann mit qualifizierter Mehrheit beschlossen werden (mindestens 15 Staaten, die 65 % der Bevölkerung repräsentieren), was ein Instrument darstellt, um potenzielle Vetos von Ungarn oder der Slowakei zu umgehen.
Was das für die Ukraine bedeutet
Der Übergang weg von russischer Energie schwächt eine der Komponenten der finanziellen und politischen Stabilität des Kremls. Für die Ukraine ist das sowohl ein direkter als auch ein symbolischer Schlag gegen die Ressourcen des Aggressors. Gleichzeitig gibt es wichtige praktische Risiken und Chancen:
- Logistik und Transit: Der Stopp des Transits durch die «Druzhba» nach Angriffen auf ein Energieobjekt in der Ukraine hatte bereits praktische Folgen — Ungarn blockierte zeitweise einige Initiativen zu Krediten und Sanktionen. Fragen zum Transit und zu Verträgen (laufend bis 2030) bleiben zentral.
- Regionale Abhängigkeit: Ungarn und die Slowakei sind nach wie vor von Öl aus Russland abhängig, daher ist ihr Zögern aus nationaler Energiesicht nachvollziehbar. Kiew hat alternative Lieferwege angeboten — das ist ein wichtiger Bestandteil zur Verringerung der Risiken.
- Politischer Druck: Ein solches Gesetz in Verbindung mit weiteren Sanktionen reduziert Russlands Möglichkeiten, Exporterlöse wiederherzustellen, erfordert aber die Koordination der Partner, infrastrukturelle Lösungen und Ausgleichsmaßnahmen für die betroffenen Länder.
„Der Vorschlag sieht eine schrittweise Einstellung der Einfuhr russischen Öls spätestens bis Ende 2027 vor.“
— Dan Jørgensen, EU-Energiekommissar
Mechanik der Verabschiedung und mögliche Folgen
Der Entwurf kann so zur Abstimmung gestellt werden, dass er nicht durch einzelne Länder per Veto blockiert werden kann. Das ist eine technische, aber wichtige Entscheidung: Sie zeigt die Bereitschaft der EU, Mehrheitsinstrumente für strategische Entscheidungen zu nutzen. Gleichzeitig ist der Termin 15. April nicht endgültig — die Dokumente sind noch vorläufig.
Kurzprognose
Für die Ukraine ist das beste Szenario, wenn das Ölverbot aus Russland von klaren Hilfsmechanismen für die Staaten begleitet wird, die durch den Verlust von Lieferungen verwundbar sind, und von praktischen Alternativen für den Transport. Das würde das Risiko geoökonomischer Kompromisse zulasten Kiews verringern und den Druck auf Moskau erhöhen.
Entscheidend ist nun, ob Absichten in konkrete Schritte umgesetzt werden. Für die Sicherheit der Ukraine ist wichtig, dass die Partner nicht nur Entscheidungen ankündigen, sondern deren Umsetzung und Unterstützungsmechanismen für die Region sicherstellen.