Kurz
In einem Gespräch mit Piers Morgan hat Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht direkt auf die Frage geantwortet, ob er den Befehl geben würde, Wladimir Putin zu töten, erklärte jedoch, warum ein Einzelakt die Lage in Russland kaum verändern würde und warum für die Ukraine stabilere staatliche Institutionen wichtiger seien.
"Ich bin mir nicht sicher, dass eine andere Person in ihrem System kein Putin wäre, nicht genauso wäre wie Putin. Darum geht es nicht."
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Was genau er sagte und warum das wichtig ist
Selenskyj betonte, dass das Amt des Präsidenten eines der Elemente zum Schutz des Landes ist: das Präsidentenamt stärkt die Legitimität und ermöglicht die Koordination staatlicher Strukturen in einer Krise. Seiner Aussage nach kann die Beseitigung des Staatsoberhaupts ebenso viel, manchmal sogar mehr Chaos auslösen, als das System des Aggressors zu verändern.
Der Präsident wies außerdem darauf hin, dass er von den Sicherheitskräften Informationen über mehrere vorbereitete Anschläge auf seine Person erhalten habe, nannte jedoch keine genauen Zahlen. Das bestätigt das anhaltende Bedrohungsniveau für den Staatschef während des Krieges und die Notwendigkeit verstärkten Schutzes.
"Die Ermordung des Präsidenten, denke ich, würde unser Land nicht brechen. Die Reaktion könnte anders sein, aber die Russen unterschätzen die Reaktion der Ukrainer, weil wir, wie ich immer gesagt habe, emotional unterschiedliche Menschen sind."
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Gleichzeitig reagierte Selenskyj scharf auf die Rede Putins und nannte sie "historischen Dreck" — das spiegelt nicht nur eine persönliche emotionale Bewertung wider, sondern auch ein politisches Signal: die Rhetorik des Kremls fördert keinen zivilisierten Dialog.
Kontext und Folgen
Das Expertenumfeld betont: Bei gezielten Beseitigungen von Führungspersonen sind drei Risiken besonders wichtig — eine Eskalation des Konflikts, die Nutzung eines solchen Falls in der Propaganda des Gegners und die Untergrabung der eigenen Legitimität, wenn Entscheidungen außerhalb des rechtlichen Rahmens getroffen werden. Die Geschichte liefert uneinheitliche Beispiele: Manchmal änderte die physische Beseitigung den Verlauf der Ereignisse, häufiger jedoch öffnete sie neue Zyklen von Gewalt und Unsicherheit.
Auf praktischer Ebene: Die Ukraine erlebt weiterhin tägliche Angriffe auf die Energieversorgung und die zivile Infrastruktur — das zeigt eine andere Form des Drucks, die die Bevölkerung nicht gebrochen hat, aber eine systematische Antwort des Staates erfordert.
Zur Erinnerung: Am 3. Februar wurde mitgeteilt, dass ein Mann, der den Russen bei einem Anschlag auf das Leben Selenskyjs geholfen haben könnte, zu 3,5 Jahren Haft verurteilt wurde — ein Signal dafür, dass Bedrohungen im rechtlichen Rahmen aufgearbeitet bzw. verfolgt werden.
Was das für die Ukraine und ihre Partner bedeutet
Für die Ukraine ist die Schlussfolgerung zugleich einfach und schwierig: Im Krieg braucht es nicht nur Taktik, sondern auch stabile Institutionen. Die Frage der "Beseitigung" des gegnerischen Führers wirft ethische und strategische Dilemmas auf, weshalb professionelle Geheimdienste, Diplomatie und die Fähigkeit, die Legitimität des Handelns im Völkerrecht zu wahren, wichtiger werden.
Die Partner der Ukraine beobachten Ton und Argumentation genau — die Worte des Präsidenten prägen die Erwartungen in Brüssel und Washington. Daher sind nun nicht emotionale Botschaften gefragt, sondern konkrete Schritte: Verstärkung des Schutzes, Arbeit an der Wiederherstellung der Infrastruktur und langfristige Sicherheitsgarantien.
Fazit
Anstatt einfacher Antworten stellte Selenskyj komplexe Fragen: Was ist für die Sicherheit wirkungsvoller — ein Einzelakt oder starke Institutionen, die dem Druck standhalten und den Schutz koordinieren? Die Antwort wird nicht nur die innere Stabilität der Ukraine bestimmen, sondern auch die Bereitschaft der Partner, sie künftig zu unterstützen.
Werden uns Geduld und Professionalität reichen, um den Herausforderungen systematisch zu begegnen — eine Frage, auf die nicht nur Kiew, sondern die gesamte demokratische Welt eine Antwort erwartet.