Nach dem russischen Angriff auf das Kiewer Höhlenkloster wandte sich der Ombudsmann Dmytro Lubinets an internationale Organisationen mit der Forderung, auf die systematische Zerstörung des religiösen Erbes der Ukraine zu reagieren. «Die Wahrheit über den Glauben wird nicht in Worten, sondern in Taten gemessen», schrieb er und richtete diese Botschaft vor allem an jene internationalen Strukturen, die sich bislang auf Erklärungen beschränken.
Dies ist kein Einzelfall. Bislang wurden 742 zerstörte oder beschädigte religiöse Objekte registriert — Kirchen, Klöster, Moscheen und Synagogen im ganzen Land. Das Kloster ist eines der symbolträchtigsten, aber keineswegs das einzige.
Was mit den Kulturzentren geschieht
Die Anschläge auf religiöse Objekte sind nicht zufällig. Menschenrechtsaktivisten verzeichnen ein Muster: Die Angriffe konzentrieren sich auf Städte mit dichter historischer Bebauung und aktivem Kulturleben. Das Kloster als UNESCO-Weltkulturerbe ist ein klares Signal — der internationale Status bietet keinen Schutz.
Lubinets betont, dass die Ansprache an internationale Organisationen nicht Rhetorik ist, sondern ein Versuch, die Verantwortung konkreter Staaten und Strukturen festzuhalten, die Konventionen zum Schutz von Kulturgütern während bewaffneter Konflikte unterzeichnet haben. Die Haager Konvention von 1954 verbietet direkt Anschläge auf Kulturobjekte, doch der Mechanismus zur Verfolgung der Verantwortlichen bleibt faktisch nicht funktionsfähig.
Ein unvorstellbares Ausmaß
742 Objekte — das ist durchschnittlich mehr als ein zerstörtes oder beschädigtes Gebetshaus pro Tag des umfassenden Krieges. Hinter dieser Ziffer steckt mehr als nur Architektur: Gemeinden, die ihren Versammlungsort, ihre Bestattungsstätten und psychologische Unterstützung in Kriegszeiten verloren haben.
Eine besondere Dimension sind die besetzten Gebiete, wo religiöse Gemeinden nach Aussagen von Einwohnern und Daten von Überwachungsmissionen unter Druck stehen, und Geistliche, die sich weigern, unter die Gerichtsbarkeit des Moskauer Patriarchats zu wechseln, verfolgt werden.
Eine Ansprache ohne Garantien
Lubinets richtete einen Appell an UN-Strukturen und die OSZE. Das Problem, das er selbst anerkennt: Internationale Organisationen verfügen über Instrumente zur Dokumentation, aber nicht zur Erzwingung. Resolutionen werden verabschiedet, Berichte veröffentlicht — konkrete Sanktionen für die Zerstörung von Kulturgütern wurden bislang gegen niemanden verhängt, der daran beteiligt ist.
Dies wirft eine praktische Frage auf: Wenn 742 dokumentierte Fälle nicht zu konkreten Rechtsfolgen geführt haben, wie viele sind ausreichend — und gibt es überhaupt einen Mechanismus, der dies bestimmen kann?