Naomi Osaka erscheint in Wimbledon im „Kill Bill"-Kimono – und das ist mehr als nur Style

Die Tennisspielerin erschien auf dem Platz in einem weißen Kimono, inspiriert von der Figur der O-Ren Ishii. Hinter dieser Wahl steckt eine durchdachte Aussage zur Identität und nicht nur eine modische Laune.

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Wimbledon ist an einen weißen Dresscode gewöhnt. Aber das weiße Kimono von Naomi Osaka – das ist eine ganz andere Geschichte.

Zum ersten Spiel des Turniers betrat die japanisch-amerikanische Tennisspielerin in einem Look auf, den Fans von Quentin Tarantino sofort erkannten: die Silhouette von O-Ren Ishii aus „Kill Bill" – die Rolle von Lucy Liu, eine japanisch-amerikanische Killerin mit samuraischem Kodex. Nach ihrem Sieg gegen die französische Tennisspielerin Elsa Jacquemont erklärte Osaka die Wahl direkt: japanisches Erbe, persönliche Verbindung zur Figur, bewusste Entscheidung.

Es ist nicht das erste Mal, dass Osaka den Court als Plattform für Selbstausdruck nutzt. 2020 trat sie bei den US Open mit Masken an, auf denen die Namen von Opfern von Polizeigewalt standen. Das verursachte damals Kontroversen. Jetzt – Begeisterung.

Der Unterschied ist aussagekräftig. Osaka formuliert keinen Protest mehr – sie konstruiert eine Erzählung über ihre eigene Identität durch eine Kultur, die ihr nahesteht. Das Kimono entspricht dem Wimbledon-Dresscode technisch, widersetzt sich ihm aber semantisch völlig. Das ist ein präziser Schachzug: die Regel befolgen und gleichzeitig ihren Inhalt umschreiben.

Jenseits des Tenniskontexts ist dies Teil einer breiteren Debatte darüber, wie Sportler mit gemischtem Hintergrund – besonders jene, die gleichzeitig Japan und die USA repräsentieren – sich öffentlich zwischen Kulturen bewegen. Osaka wurde in Japan geboren, wuchs in Amerika auf und spielte für beide Nationalteams. Die Frage „Wer bist du?" begleitet ihre Karriere von Anfang an.

Das Kimono beantwortet diese Frage nicht. Aber es zeigt deutlich, wer sie stellt – und wer sich nicht mehr rechtfertigen wird.

Ob diese Geste zum Ausgangspunkt einer neuen Norm der Selbstexpression im Sport mit strikten Dresscodes wird, hängt davon ab, ob Verbände diese Freiheit unterstützen, wenn der nächste Sportler mit etwas weniger ästhetisch Angenehmem auf den Court kommt.

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