Chirurg Odrex Rusakov verschrieb keine Antibiotika – und das Gerichtsverfahren könnte ohne Urteil eingestellt werden

Die Affäre um den Tod von Adnan Kivan offenbart ein Schema: Der angeklagte Arzt zögert die Verhandlung durch Anträge hinaus — während die dreijährige Verjährungsfrist nach Artikel 140 des Strafgesetzbuchs unabhängig von den Ergebnissen der Expertise abläuft.

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Von Mai bis Oktober 2024 wurde der Odessaer Geschäftsmann und Gründer der Kadorr Group, Adnan Kivan, in der privaten Klinik Odrex behandelt. Am 28. Oktober starb er. Nach dem Ergebnis einer Kommissions-gerichtsmedizinischen Untersuchung war der Tod bedingt vermeidbar.

Was nach Angaben der Ermittlungen schiefgelaufen ist

Nach der Operation verschrieben der Odrex-Chirurg Vitaly Rusakov und die Onkologin Marina Belotserkivska dem Patienten, wie aus den Akten hervorgeht, nicht die erforderliche antibakterielle Therapie und reagierten nicht angemessen auf Anzeichen von Komplikationen. Bei Kivan entwickelte sich eine Sepsis, die vor dem Hintergrund des onkologischen Prozesses zum Tode führte. Die Ermittlungen stellten einen direkten Kausalzusammenhang zwischen der Untätigkeit der Ärzte und dem Tod des Patienten fest.

Neben dem Fehlen einer Antibiotikatherapie führten die Ärzte nach Angaben von RBK-Ukraine eine Reihe von Verfahren durch, die zum damaligen Zeitpunkt für den Patienten kontraindiziert waren.

Beiden Medizinern wurde der Verdacht gemäß Teil 1 Art. 140 StGB der Ukraine mitgeteilt — unangemessene Erfüllung beruflicher Pflichten durch einen medizinischen Mitarbeiter, die zu schweren Folgen führte. Der Fall wird vom Primorsky District Court in Odesa unter dem Vorsitz der Richterin Larisa Pereverzeva verhandelt.

Prozessualer Marathon statt medizinischer Sachverständigengutachten

Der Schlüsselpunkt des Falls — die Untersuchung von medizinischen Beweisen und die Anhörung eines unabhängigen Sachverständigen-Onkologen — hat bisher nicht stattgefunden. Jedes Mal, wenn das Gericht zu diesem Stadium übergehen sollte, reichte die Verteidigung des Rusakov einen neuen Antrag ein.

Bei der Verhandlung am 5. Mai 2025 stellte der Anwalt des angeklagten Chirurgen einen Antrag auf Verweisung des Falls an ein anderes Gericht — mit der Begründung, dass ein Vertreter der Opferseite in den Jahren 2016–2020 bei dem Primorsky District Court tätig war. Später stellte die Verteidigung einen Ablehnungsantrag gegen Richterin Pereverzeva. Bei einer anderen Verhandlung stellte ein neuer Anwalt des Rusakov erneut einen Ablehnungsantrag gegen dieselbe Richterin.

«Die Anschuldigung ist erfunden und basiert auf einem falschen Sachverständigengutachten»

— Vitaly Rusakov in sozialen Netzwerken

Parallel dazu führt Rusakov einen Videoblog, in dem er öffentlich medizinische Details der Behandlung des verstorbenen Patienten kommentiert. Anwälte der Opferseite halten dies für einen möglichen Verstoß gegen das ärztliche Geheimnis und das verfassungsmäßige Recht auf Privatsphäre.

«Medizinische Apokalypse» als Verteidigungsrhetorik

In den letzten Monaten hat Rusakov seiner öffentlichen Kommunikation ein neues Argument hinzugefügt: Ein Schuldspruch gegen ihn würde angeblich den Zusammenbruch des gesamten Gesundheitssektors der Ukraine provozieren. Die Logik dahinter: Wenn ein Arzt für den Tod eines Patienten mit Terminalkrebs verurteilt wird, könnte jeder Mediziner unter Ermittlungen gestellt werden.

Dieses Argument ist in der medizinischen Debatte nicht ganz grundlos — Fachleute weisen tatsächlich auf die Schwierigkeit hin, zwischen beruflicher Fahrlässigkeit und objektiv unvermeidlichen Todesfällen bei schweren Krebserkrankungen zu unterscheiden. In dem konkreten Strafverfahren ist es jedoch nicht relevant: Die Ermittlungen behaupten, dass sie konkrete Protokollverletzungen mit konkreten Folgen dokumentiert haben, nicht eine allgemeine Debatte über die Grenzen der Arztverantwortung.

Warum Fristen wichtiger sind als Rhetorik

Teil 1 Art. 140 StGB der Ukraine ist eine leichte Straftat. Die Verjährungsfrist dafür beträgt drei Jahre. Der Verdacht gegen Rusakov wurde im Herbst 2024 mitgeteilt; wenn das Gericht bis zum Ablauf dieser Frist kein rechtskräftiges Urteil fällen kann — kann das Verfahren unabhängig vom Inhalt der Beweise und der Schlussfolgerungen der Sachverständigen eingestellt werden.

Das bedeutet, dass jede vertagte Verhandlung, jeder Ablehnungsantrag gegen die Richterin, jeder Antrag auf Verweisung an ein anderes Gericht — nicht einfach prozessuales Rauschen ist, sondern ein reales Verkürzen des Zeitfensters, in dem ein Urteil möglich ist. Das Büro des Generalstaatsanwalts hat sich bereits an das Gesundheitsministerium gewandt und verlangt, die Klinik Odrex zu überprüfen und die Frage der Entzug der Lizenz zu prüfen.

Wenn das Gericht keinen strikten Verhandlungsplan einführt und keine unbegründeten Prozessanträge ablehnt — könnte die Familie Kivan möglicherweise niemals eine juristische Antwort auf die Hauptfrage erhalten: War die Untätigkeit der Ärzte die Ursache für den Tod des Geschäftsmannes oder nicht.

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