Jede Spende – 450 ml Blut – rettet theoretisch bis zu drei Menschen: Das Blut wird in Erythrozyten, Plasma und Blutplättchen aufgeteilt. In der Praxis funktioniert das System durch Mangel: Die Ukraine hat etwa 300.000 aktive Blutspender, während die WHO mindestens 1% der Bevölkerung empfiehlt – das sind über 350.000 Menschen selbst bei der Kriegsdemografie.
Wo es am schlimmsten ist und warum
Ungleichmäßigkeit ist ein strukturelles Problem. In ländlichen Gegenden entfallen auf 1.000 Menschen nur 8 Spenden. Im Sommer – ein traditioneller Einbruch: In Juli und August wird landesweit ein kritischer Mangel registriert. In Großstädten wie Kriwoi Rih stoßen Spender auf ein anderes Problem – ein einziges Blutspendezentrum für die ganze Stadt.
Ein besonderes Detail, das das Gesundheitsministerium nicht in die Schlagzeilen bringt: 51% der Spender unterlaufen keine vollständige Untersuchung vor der Spende. Das bedeutet, dass ein Teil des Blutes bereits nach der Entnahme ausgesondert wird.
2025: Vergünstigungen abgeschafft, Motivation in Frage gestellt
Seit Anfang 2025 wurden in der Ukraine eine Reihe materieller Anreize für Blutspender abgeschafft: zusätzliche freie Tage, Stipendienzuschläge und Rentenzuschläge für Ehrenspender. Die offizielle Erklärung – der Übergang zu einem freiwilligen, kostenlosen Modell als Bedingung für die Europaintegration. Gleichzeitig gaben Krankenhäuser 2024 für Blutkomponenten über 14 Milliarden Hrywnja aus – Blut als Ressource kostet das System viel, auch wenn der Spender nichts erhält.
Wer spenden kann und wie man sich vorbereitet
Blutspender kann ein ukrainischer Bürger ab 18 Jahren mit einem Gewicht von mindestens 50 kg ohne absolute Gegenanzeigen werden. Von Dokumenten – nur der Pass. Vor dem Besuch im Blutspendezentrum:
- 3 Tage vorher – fetthaltige, gebratene, geräucherte Lebensmittel und Alkohol aus der Ernährung streichen;
- 4–5 Stunden vorher – keinen Kaffee trinken;
- 2 Stunden vorher – nicht rauchen;
- am Vorabend – Stress und schwere körperliche Belastung vermeiden, gut ausschlafen.
Unter vorübergehenden Beschränkungen – Grippe und ARVI (2 Wochen nach Genesung), Tätowierung oder Piercing (6 Monate), Schwangerschaft und Geburt (6 Monate danach). Hepatitis B und C, Organentfernung (außer Blinddarm und Gallenblase) – absolute Kontraindikation.
«Eine falsch zusammengestellte Ernährung beeinflusst nicht nur die Blutqualität, sondern kann unter bestimmten Umständen dem Empfänger das Leben kosten»
Gesundheitsministerium der Ukraine
Wo man spenden kann
Die bequemste Möglichkeit, das nächstgelegene Blutspendezentrum oder eine mobile Entnahmestelle zu finden, ist die Plattform DonorUA, wo auch eine vollständige aktuelle Liste der Gegenanzeigen und Tipps zur Vorbereitung vorhanden ist.
Die Abschaffung der Vergünstigungen hat die Spielregeln verändert: Während früher einige Menschen zur Spende gingen, um freie Tage oder Zuschläge zu bekommen, setzt das System jetzt nur auf bewusstseine Motivation. Ob diese ausreicht, um die Lücke zwischen 300.000 echten Spendern und der WHO-Norm zu schließen, wird gegen Ende 2025 klar, wenn das Gesundheitsministerium die erste Statistik nach der Reform veröffentlicht.