26 Tage – die Norm, 350 – die Realität: Wie viel der langsame Einstellungsprozess in der IT tatsächlich kostet

Ukrainische IT-Unternehmen schließen Middle+-Positionen in 26 Tagen – doppelt so schnell wie der globale Benchmark. Doch in MilTech und Führungsrollen wachsen diese Zeiträume so stark, dass Unternehmen bereits Verluste statt Kandidaten zählen.

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Програміст в процесі роботи (Фото: Depositphotos)

Der Median liegt bei 26 Kalendertagen. Genau so lange verstreicht vom Zeitpunkt der Veröffentlichung einer Middle+-Stelle bis zur Unterzeichnung des Angebots in der ukrainischen IT. Die Recruitingagentur ITExpert analysierte 274 erfolgreich abgeschlossene Vakanzen in 79 Unternehmen in den Jahren 2025–2026 — und erhielt eine Zahl, die nur bis zum ersten Vergleich ermutigend wirkt.

Wo die Ukraine wirklich schnell ist — und wo das eine Illusion ist

Zum Kontext: Nach Angaben von HR.com liegt der globale Median Time-to-fill für Mid-Level-Positionen bei 31–60 Tagen, in den USA bei etwa 35 und in der IT-Branche speziell bei 44 Tagen. Die ukrainischen 26 Tage wirken wie ein Vorteil. Aber es gibt einen Haken: Die ITExpert-Studie umfasst nur erfolgreich abgeschlossene Vakanzen — das heißt, die problematischsten Fälle, bei denen die Suche viele Monate dauerte oder festgefahren ist, sind gar nicht in die Auswahl aufgenommen worden.

Ein weiterer Anhaltspunkt: Nur bis zu 5% der Vakanzen werden in weniger als 10 Tagen besetzt. Das heißt, ein „Monat" ist nicht das pessimistischste, sondern das typische Szenario. Die meisten Positionen fallen in das Fenster von 11–30 Tagen.

Wer wartet am längsten — und warum

Der Unterschied zwischen den Positionen ist erheblich. QA-Spezialisten werden in 18 Tagen gefunden — das schnellste aller Bereiche. Management- und Leadership-Rollen werden in 40 Tagen besetzt — fast doppelt so lange. Die Erklärung ist einfach: Je breiter der Verantwortungsbereich ist und je mehr Stakeholder an der Entscheidung beteiligt sind, desto mehr Interviewrunden sind erforderlich und desto weniger Kandidaten befinden sich im Trichter.

Separat analysierte ITExpert das MilTech-Segment — 48 Vakanzen, die getrennt von der Hauptstichprobe untersucht wurden. Der Median Time-to-fill liegt hier bei 34 Tagen (+31% gegenüber dem Markt), Time-to-hire bei 27 Tagen (+42%).

«Der MilTech-Markt ähnelt derzeit einem roten Ozean mit einem kleinen Pool von Kandidaten. Unternehmen suchen oft nicht nur nach einem Embedded Engineer oder Hardware Engineer, sondern nach einer Person, die ein ganzes Produktstück abdeckt — vom Board und den Mikrocontrollern bis zum Design und der Autonomie des Geräts».

Mykola Kliestov, CTO von ITExpert

Wenn 26 Tage sich in 350 verwandeln

Anna Reznikova, Head of Recruitment bei ITExpert, weist darauf hin, dass in der Praxis der Agentur Unternehmen vorgekommen sind, bei denen das Recruiting standardmäßig über 350 Tage dauerte. Nach ihren Angaben ist das kein Extremfall — es ist ein systemisches Problem, das entsteht, wenn das Recruiting innerhalb der Organisation keine Priorität hat oder sich die Anforderungen an den Kandidaten während der Suche ändern.

«Wenn sich das Recruiting über mehrere Monate hinzieht, ist das ein Risiko für das Geschäft. Unternehmen benötigen jetzt Menschen: damit das Produkt funktioniert, das Team nicht ausbrennt und das Geschäft vorankommt».

Anna Reznikova, Head of Recruitment von ITExpert

Die versteckte Kostenseite einer langwierigen Einstellung wird selten explizit berechnet: Eine unbesetzte Position eines Middle-Entwicklers bedeutet entweder eine Überbelastung des Teams, oder eine eingefrorene Funktionalität, oder beides gleichzeitig. Nach amerikanischen Schätzungen kostet jeden Tag einer offenen technischen Stelle einem Unternehmen zwischen 500 und 700 Dollar in Form verlorener Produktivität — und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass diese Logik in ukrainischen Teams grundlegend anders ist.

Was die Geschwindigkeit bestimmt

  • Positionsstufe — Middle wird schneller besetzt als Senior, Senior schneller als Lead und höher.
  • Branchenspezifika — MilTech und Defense Tech erfordern zusätzliche Überprüfungsschritte und haben einen engeren Pool von Kandidaten.
  • Anzahl der Stakeholder — je mehr Menschen das Angebot unterzeichnen, desto länger der Prozess, unabhängig von der Qualität der Kandidaten.
  • Klarheit der Anforderungen — Vakanzen, bei denen sich die Anforderungen während der Suche änderten, schloss ITExpert komplett aus der Stichprobe als nicht repräsentativ aus.

Wenn der MilTech-Sektor unter dem Druck der Verteidigungserfordernisse weiter wächst und der Pool qualifizierter Embedded-Ingenieure eng bleibt — werden Unternehmen dann in der Lage sein, selbst die heutigen 34 Tage zu halten, oder wird die Quote auf 50+ klettern, wo sich bereits der globale IT-Markt befindet?

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