Was auf der Enforce Tac 2026 präsentiert wurde
Auf der Messe Enforce Tac 2026 in Nürnberg hat das deutsche Unternehmen Diehl Defence das mobile Gegen-BUAS-System Garmr vorgestellt — eine überarbeitete Version des Kinetic Defence Vehicle (KDV). Laut Army Recognition ist der Komplex auf die Abfangung von Zielen in Entfernungen von über 70 km ausgelegt und verbindet Abfangdrohnen mit einer KI-unterstützten Architektur.
"Der Komplex ist zum Schutz kritischer Infrastrukturen, von Großveranstaltungen und für Einsätze bei hoher Intensität von Kampfhandlungen vorgesehen."
— Army Recognition
Wie Garmr funktioniert
Das System basiert auf einer modularen Architektur. Es erstellt ein Luftlagebild mittels Radar- und optronischer Sensoren und kann in einem Flugabwehrnetzwerk operieren. KI-Algorithmen erkennen und priorisieren Ziele automatisch, die Entscheidung über den Waffeneinsatz bleibt jedoch der Besatzung vorbehalten — „Mensch in der Schleife“.
"KI‑Algorithmen erkennen und priorisieren Ziele automatisch und überlassen die Entscheidung über den Waffeneinsatz der Besatzung."
— Army Recognition
Die Verteidigung ist in zwei Ringe gegliedert: der Nahbereich — Maschinengewehre der Kaliber 7,62 mm und 12,7 mm (wirksam etwa bis 1–2 km), und Mittel- sowie Fernbereich — Abfangdrohnen Cicada und Hornet Block 2. Die Cicada kann sowohl einen Splittergefechtskopf als auch nicht-kinetische Mittel (z. B. ein Netz) zur Abfangung einsetzen.
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Garmr fügt nicht einfach nur ein weiteres System dem Katalog hinzu — es demonstriert einen Ansatz, der für die ukrainische Verteidigung relevant ist: netzwerkbasierte Lösungen, kombinierte (kinetische + nicht-kinetische) Gegenmaßnahmen und beschleunigte Zielverarbeitung mittels KI. Zum Schutz kritischer Infrastrukturen, logistischer Knotenpunkte und großer Einrichtungen kann ein solches System die operative Verbindung zwischen lokalen Flugabwehrmitteln und Fernluftabwehrsystemen bilden.
Praktische Konsequenzen: Integration in bestehende Flugabwehrnetzwerke, Ausbildung des Personals für den Betrieb im Modus „Mensch in der Schleife“ sowie operative Logistik — insbesondere da der Hersteller die Lieferzeit auf etwa sechs Monate nach Bestellung schätzt.
Kontext und Folgen
Die Ankündigungen neben Garmr — die reaktive Drohne Hildegard (bis zu 500 km/h) und der autonome Bodenroboter Mandrill (bis zu 100 km/h) — deuten auf einen allgemeinen Trend hin: Hersteller steigern Geschwindigkeit, Autonomie und Integration in vernetzte Systeme. Analysten betonen, dass gerade die Kombination aus nicht-kinetischen und kinetischen Mitteln die Widerstandsfähigkeit von Anlagen gegen massierte Drohnenangriffe erhöht.
Nun liegt die Aufgabe bei Betreibern und Beschaffern: Technische Bekenntnisse müssen in reale Exportlogistik, Integration in Flugabwehrnetzwerke und die Ausbildung von Besatzungen umgesetzt werden — nur so werden solche Systeme dort funktionieren, wo sie am dringendsten benötigt werden.