Stellen Sie sich vor: Ein Student bereitet einen Bericht über Pompeji vor, öffnet Google Earth, gibt eine Anfrage ein – und sieht eine blühende antike Stadt vor dem Ausbruch des Vesuvs. Es sieht wie ein populärwissenschaftlicher Film aus. Tatsächlich handelt es sich um eine KI-Erfindung, die auf statistischen Annahmen basiert, nicht auf archäologischen Daten.
Google hat einen Bildgenerator namens Nano Banana in Google Earth integriert und ermöglicht es, Visualisierungen echter Orte zu erstellen – insbesondere, wie historische Stätten in der Vergangenheit aussehen könnten. Das Unternehmen warnt sofort: Dies ist eine künstlerische Interpretation, keine Tatsache. Aber Warnungen werden normalerweise von denjenigen gelesen, die bereits skeptisch sind, nicht von jemandem, der einfach nur ein Bild für seine Präsentation braucht.
Nicht nur die Vergangenheit – auch die Zukunft
Ein praktischeres Szenario betrifft nicht die Archäologie, sondern Immobilien. Nano Banana generiert eine Visualisierung zukünftiger Bebauung auf einem leeren Grundstück – sagen wir, wie ein Wohnkomplex auf einem Ödland in Ihrem Bezirk aussehen würde. Für Entwickler und Stadtplanungsdiskussionen ist dies ein schnelleres und günstigeres Werkzeug, als ein Rendering von einem Studio in Auftrag zu geben.
Hier entsteht ein anderes Risiko: Eine in wenigen Sekunden generierte Visualisierung kann zum Argument in einer öffentlichen Diskussion über Bebauung werden, noch bevor ein echtes Projekt existiert. Menschen nehmen Bilder als Nachweis von Absichten wahr, obwohl dies nur eine von einer Million möglichen Varianten ist, die der Algorithmus vorschlägt.
Wer überprüft die Genauigkeit
Google offenbart nicht, ob die Funktion für alle Orte des Services funktioniert oder nur für eine begrenzte Liste beliebter Objekte. Ein nicht moderierter Generator für historische Rekonstruktionen für Milliarden von Punkten auf der Karte – das ist eine ganz andere Aufgabe als die Anzeige des Kolosseums oder von Stonehenge, für die es Tausende von Referenzbildern und wissenschaftlichen Rekonstruktionen gibt.
Für weniger erforschte Orte – sagen wir, ein kleines ukrainisches Städtchen oder eine vergessene Festung – wird die KI stärker fantasieren müssen, und der Unterschied zwischen Rekonstruktion und Erfindung wird noch verschwommener.
Die Frage ist nicht, ob es interessant ist, sich KI-Pompeji anzusehen. Die Frage ist, ob Google im Service klare Glaubwürdigkeitskennzeichnungen hinzufügt – und ob ein kleiner Disclaimer ausreichend ist, wenn das Bild in sozialen Netzwerken ohne Kontext verbreitet wird.