Der Abfangdrohne „Kibchyk" (Kestrel) des Unternehmens OneDefence ist auf dem staatlichen Marktplatz Brave1 Market erschienen – einer Plattform, über die Militäreinheiten Ausrüstung direkt bei Herstellern bestellen. Nach Angaben von Defender Media hat das Gerät bereits Polygon-Tests bestanden, der Entwickler führt jedoch keine bestätigten Kampfeinsätze an.
Was innen drin ist
Nach den angegebenen Charakteristiken erreicht der „Kibchyk" eine Höchstgeschwindigkeit von 420 km/h bei einer Reisegeschwindigkeit von 250 km/h. Dies übersteigt die Reisegeschwindigkeit des Shahed-136 um etwa das Dreifache – eine grundlegende Voraussetzung für die Abfangbarkeit. Die taktische Reichweite beträgt bis zu 20 km, die Flughöhe 6800 m, die Flugzeit bis zu 10 Minuten.
Die Konstruktion ist modular: Vor dem Start kann der Bediener je nach Aufgabe den Akku, die Flügel, die Kamera oder den Sprengkopf wechseln. An Bord befinden sich eine Tageslicht- und eine Wärmebildkamera sowie ein Nachführungssystem. Das Schlüsselmerkmal: Die letzte Phase des Abfangens erfolgt automatisch – nachdem das Ziel erfasst wurde, aktiviert ein Laser-Näherungssensor die Detonation ohne direkten Aufprall.
Der Preis für ein Gerät auf dem Brave1 Market beträgt 95.000 Hrn.
Kontext: Der Markt für Abfangdrohnen ist bereits dicht besiedelt
Der „Kibchyk" tritt auf einen Markt, auf dem die Konkurrenz ernst ist. Nach Angaben des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine produzierte das Land 2025 100.000 Abfangdrohnen, und die Erfolgsquote beim Kampfeinsatz übersteigt 60%. Über 20 Unternehmen arbeiten an dieser Richtung.
„Den Abschuss eines Shahed mit einer Abfangdrohne kostet mehr als 25-mal weniger als der Einsatz einer westlichen Luftabwehrrakete"
Rat für nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine
Unter den bestehenden Lösungen sind der „Shvidun" mit einer Reichweite von über 70 km und bestätigten Treffern gegen etwa hundert feindliche unbemannte Luftfahrzeuge sowie die kodifizierte JEDI Shahed Hunter, die vom Verteidigungsministerium zur Nutzung akzeptiert wurde. Vor diesem Hintergrund wirken die 20-Kilometer-Reichweite des „Kibchyk" und die 10-minütige Flugzeit bescheiden – obwohl die Modularität und der autonome Sprengstoff in bestimmten Szenarien Einschränkungen kompensieren könnten.
Was bleibt offen
Der autonome Sprengstoff über einen Laser-Näherungssensor ist technisch eine komplexere Lösung als kinetischer Aufprall oder manuelle Steuerung in der Endphase. Dies erhöht die Genauigkeit, aber auch die Anforderungen an die Zuverlässigkeit der Elektronik in einer von elektronischer Kriegsführung durchdrungenen Umgebung. OneDefence veröffentlicht keine Daten zur Widerstandsfähigkeit gegen Funkstörsender.
Wenn der „Kibchyk" die Kampfkodifizierung besteht und die Effektivität des autonomen Sprengstoffs unter realen Bedingungen bestätigt – 95.000 Hrn für ein Gerät mit Wärmebildkamera und Modularität wird zu einem konkurrenzfähigen Preis. Die Frage ist, ob das Laser-Navigationssystem eine Umgebung überstehen kann, in der elektronische Kriegsführung längst die Norm und keine Ausnahme mehr ist.